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Durch das Jahr

Mai 2020

Der Mai zeigt sich in diesem Jahr nicht von seiner wonnigen Seite – im Gegenteil die Eisheiligen machen ihrem Namen alle Ehre. Es friert nachts tatsächlich nochmal Mitte Mai! Das ist mir seitdem ich den Garten habe noch nie passiert. Es ist kein strenger Frost, nur so gerade 0 Grad, aber es reicht, dass alle meine Zinnien und Cosmeen erfrieren! Eine Riesenkatastrophe! Ich hatte zwar in der Wettervorhersage gesehen, dass es nochmal kalt wird, es waren 3 Grad angesagt, aber dass es im Parzellengebiet mit Wind zu Frost kommt – damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.

Und so hatte ich zuvor, Anfang Mai, wie in jedem Jahr alle im März vorgezogenen Sommerblüher optimistisch ausgepflanzt. Zwei Monate hegen und pflegen und nun zack war innerhalb einer Nacht alles dahin… Ich war den Tränen nahe – wie konnte ich nur so doof sein und nicht vorher zwei, drei Lagen Vlies ausbringen? Dieser Wärmeschutz hätte gereicht, um die zwei Grad auszugleichen und vor allem den Wind abzuhalten. Es war nun wie es war, ich schrieb dick und rot in mein Gartentagebuch nächstes Jahr akribisch die Wettervorhersage im Auge zu behalten und verbuchte das Ganze nach einigem Gejammer unter „wieder was gelernt“.

Das mittlere Staudenbeet mit drei Hochstamm-Rosen und blühenden Wasserlilien

Ich säte also nochmal viele Sommerblüher aus (Cosmeen, Zinnien, Kapuzinerkresse) und auch Coolflowers (Kornblumen, Schleierkraut, Marokkanisches Leinkraut, Rittersporn, Päonienmohn und Wicken) und rief bei einer Gärtnerei meines Vertrauens an: und siehe da, sie hatten noch vorgezogene Zinnien „Benarys Giant“ und Cosmea nach Farben sortiert für 35 Cent das Stück! Ich kaufte 50 Stück, auch wenn das viel weniger war, als ich vorgezogen hattte, da ich ja nun auch noch einmal ausgesät hatte. Ich war total erleichtert – Glück im Unglück! Und ich schwor mir, die kalte Sophie würde mich nicht noch einmal überraschen!

Teilweise waren die Dahlien auch schon ausgetrieben, bis auf zweien hat der Frost aber nicht zugesetzt. Bei den beiden sind nun die Triebspitzen schwarz, doch sie sollten bald mit frischem Grün wieder neu austreiben.

Dahlien beim Austrieb

Nachdem wir im April bei dem vielen Sonnenschein und Corona-Lockdown den Garten ganz schön umgekrempelt hatten, neue Beete angelegt, aufgeräumt, Rasen gepflegt, aus- und umgepflanzt und viel gemulcht, wird es nun im Mai ein wenig ruhiger. Der Garten ist von seiner Struktur her nun für mich tatsächlich fertig! Vier Jahre hat es gedauert. Als ich den Garten übernommen habe gab es nur wilde Wiese, Brombeeren und Unkraut ohne Ende. Keine Beete, kein Haus, kein Strom, keine Wasserpumpe. Genau das fand ich ja so toll und begann meine Ideen und Visionen Stück für Stück umzusetzen. Es war learning by doing und ich eignete mir parallel zur Arbeit in den Beeten viel Wissen über Gartengestaltung an und wollte „Räume schaffen“. Das hat mal besser und mal weniger gut geklappt, doch nun ist alles an seinem Platz: klar strukturierte Beete, Wege und Sitzplätze – jetzt darf üppig gewachsen werden.

Was nun noch fehlt ist ein Rosenbogen zwischen Dahlien- und Blaubeerbeet und ein neues Gartenhaus. Zwei Projekte für den Juni…

Ansonsten pflanze ich weiter auch Stauden: ein neues Halbschatten-Beet mit Astilbe, Fingerhut und Herbstanemonen und ich umpflanze das Hochstamm-Rosenbeet mit Lavendel und Frauenmantel. Die Rosen und der Frauenmantel brauchen zwar mehr Wasser, als der Lavendel, aber ich möchte es trotzdem ausprobieren, weil ich die Kombination so hübsch finde. Dazu setze ich in alle Staudenbeete nun viele vorgezogene Einjährige dazwischen. Sie sollen entweder die Lücken füllen, bis die neuen Stauden im nächsten Jahr groß und kräftiger geworden sind, aber auch verblühte Stauden verdecken. So mache ich es z.B. mit den Pfingstrosen. Ich setze dicht Zinnien und Cosmeen dazwischen, die dann das Laub ab Ende Juni bis in den Herbst verdecken.

Ich benutze auch immer Dahlien, um Lücken zu füllen. In meinem zweiten Dahlienbeet, dass nicht nach Farben sortiert ist, pflanze ich die Knollen zunächst etwas zu eng, um dann später, im Juni einzelne ausgetrieben Dahlienpflanzen wieder auszubuddeln und in neu entstandene Lücken in den Staudenbeeten zu setzen. Z.B. neben verblühte Lupinen, Fingerhut, Glockenblumen, Mohn oder Mutterkraut. Man muss die Dahlien dann nur ein paar Tage kräftig wässern und sie etablieren sich gut an ihrem neuen Standort und wachsen weiter.

Sonnenaufgang im Garten

Sehr wichtig ist übrigens ab jetzt das pinzieren bei Einjährigen, die beginnen aus den unteren „Astgabeln“ auszutreiben. Das betrifft vor allem Cosmeen, Zinnien, Wicken, Löwenmäulchen. Welche noch dazu gehören und wie man das genau macht erkläre ich in diesem Artikel.

Und ich muss leider feststellen, dass die Kellerasseln sich in meinen gemulchten und mit Folie abgedeckten Beeten so pudelwohl fühlen, dass wieder beginnen, Stiele anzufressen. Ich hatte das letztes Jahr schon bei den Hasenohren erschrocken festgestellt und bin deswegen dieses Jahr sehr aufmerksam. Als ich nun die ersten Fraßschäden an den noch dünnen Cosmea-Stielen entdeckte nahm ich sofort die Lochfolie wieder ab. Darunter wimmelte es natürlich… Asseln mögen es nämlich dunkel und feucht, wie Schnecken, ernähren sich dabei aber eigentlich von verrotendem Holz. Sie nehmen aber eben leider auch mit den jungen Blumenstängeln vorlieb. Also Folie runter, alles schön „trocken legen“ und wenn die Blumen kräftiger geworden sind werde ich versuchen die Folie wieder drüber zu ziehen. Denn ohne Erde abdecken möchte ich nicht gärtnern.

Ich setze noch schnell eine große Brennessel-Jauche an, bevor die Pflanzen im Juni beginnen zu blühen und binde die ersten hübschen Frühlingssträuße mit Jungfer im Grünen, Kornblumen, Bartnelken, Orlaya und den letzten Ranunkeln.

Bisher ist es noch ruhig hier...

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