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Durch das Jahr

März 2018

Hunderte über Hunderte von Samen stecke ich in meiner Küche in die Anzuchterde. Der Garten draußen ist matschig, trist und grau. Es ist der kälteste März seit Jahren und Tulpen sowie Narzissen denken gar nicht daran, ihre Köpfe weiter aus der Erde zu stecken.

„Der Garten ist matschig, trist und grau.“

Meine ausgeklügelten Aussaat- und Pflanzpläne muss ich notgedrungen über den Haufen werfen: der Boden ist vom Februar noch tief gefroren, die Nächte sind unter Null und an Beete vorbereiten geschweige denn Auspflanzen ist nicht zu denken.
Es ist frustrierend.

Bei der Aussaat in Erdballen

Auf Instagram sehe ich bei anderen Flower Farmern Anemonen und Ranunkeln in den schönsten Farben, Arme voll, Eimerweise und bei mir ist alles Schlamm. Dass die Samen, die ich stoisch weiter in die Erde stecke mal bunte, große Blüten hervorbringen sollen, die ich zu Sträußen bind, um damit anderen eine Freude zu machen – der Gedanke ist völlig absurd!

„Es ist frustrierend.“

Und wieder was gelernt fürs nächste Jahr: Im Herbst alle Beete vorbereiten! Kompost einarbeiten und abdecken, damit Unkräuter keine Chance haben und sich die Erde erwärmt. Oder eben direkt schon bepflanzen mit „Cool Flowers“. Für meine Region hier im Norden ginge das zum Beispiel mit Islandmohn, Rittersporn, Orlaya, Skabiosen und vielleicht auch mit Löwenmäulchen. Das möchte ich nächstes Jahr unbedingt ausprobieren! Also Vorzucht Anfang September, Auspflanzen Mitte Oktober.

Und in die vorbereiteten Beete, wenn auch Tunnel drüber sind, kann man wunderbar die anderen „Cool Flowers“ Anfang März auspflanzen – so wie ich es dieses Jahr machen wollte…

Überschwemmung…

Aber es hilft ja nichts. Notizen machen fürs nächste Jahr und dann umdisponieren. Bei mir heißt das auch, sich nicht nur vom Terminplan, sondern auch der Beetplanung verabschieden. Denn in meinem neuen, zweiten Garten, in dem ich alle zehn Tunnel aufbauen und die „Cool Flowers“ schon im März auspflanzen wollte, ist der Boden so lehmig und fest, wie ich es noch nie erlebt habe!

Im Oktober, als ich mich für den Garten entschied, sah alles wunderbar aus. Die Beete waren völlig zu von Unkraut, aber mit umgraben und Unkraut entfernen kenne ich mich ja aus. Da schreckt mich so schnell nichts ab…

Ich setzte Tulpen und Narzissen. Der Dezember kam und mit ihm starke Regenfälle. Das Wasser stand zehn Zentimeter hoch im Garten, die Tulpenzwiebeln würden platzen wenn der erste Frost kommt und dann schimmeln durch die hohe Feuchtigkeit… Bei Null Grad und Regen buddelte ich jede einzelne Zwiebel wieder aus dem nassen Schlick heraus und grub sie in meinem alten Garten (in der besten Erde des Universums) wieder ein.

Und das war eine weise Entscheidung: es regnete fast den gesamten Januar, der neue Garten glich einem Teich und in meinen Beeten drüben, in der feinkrümeligen, gut durchlässigen Erde, hatten die Zwiebeln es kuschelig und trocken.

Bei Null Grad und Regen buddelte ich jede einzelne Zwiebel wieder aus.

Der Frühling ein ferner Traum…

Im Februar gab es tatsächlich vier Wochen Frost, mit bis zu minus 15 Grad… Der Boden wurde zu Beton. Ich wollte es mir nicht eingestehen, dass meine Pläne unmöglich waren und baute trotzdem einen Tunnel dort auf: mit einer Bohrmaschine (!) brachte ich Tunnelstäbe in die steinharte Erde und mit einem riesigen Gummihammer und aller Gewalt schaffte ich es auch die Heringe zu befestigen.

Ich hoffte, nun würde der Boden besser abtrocknen und sich erwärmen und ich könnte doch noch auspflanzen. Nein. Es half alles nichts. Und so musste ein Teil der schönen Rasenfläche in meinem alten Garten weichen und ich grub dort um. Die Erde war fantastisch. Und so könnte ich dann Ende März, drei Wochen später als erhofft, endlich meinen Islandmohn und die Löwenmäulchen in ihr neues Zuhause verpflanzen.

Und wer weiß, vielleicht stehe ich am Ende ja doch eines Tages auf dem Markt, Eimer voller wunderschöner, frischer Blumen aus meinem Garten, die Sonne scheint und der Wind ist warm… Der Wetterbericht für nächste Woche sagt auf jeden Fall 15 Grad vorher – ein Licht am Ende des Tunnels!

Und ich muss immer wieder an den Spruch eines anderen Flower Farmers denken: Wenn es einfach wäre, würde es jeder machen.

Bisher ist es noch ruhig hier...

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