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Durch das Jahr

April 2018

25 Grad, strahlend blauer Himmel, der erste Sonnenbrand im Nacken und Schweißperlen beim Umgraben. Ich öffne die Tunnel so weit es geht, überlege schon, die Folien ganz abzunehmen, doch im Radio wird von starken Regenfällen gesprochen. Ich lasse die Tunnel trotzdem offen – so muss ich nicht gießen.

„Der April macht was er will – und ich mache, was der April will…“

Und dann regnet. Es regnet 48 Stunden durchgehend. Ach, es regnet nicht, es schüttet wie aus Eimern! Die Straßen stehen unter Wasser und ich bange um meine kleinen Zinniensetzlinge, hoffe, ihre Wurzeln sind bereits stark genug, um sich nicht von den strömenden Bächen weg reißen zu lassen. Ab morgen soll es nun eine Woche lang wieder nur Sonne geben und sehr warm sein…

Tunnel über den Beeten

Ein Hin und Her, Auf und Ab (die Zinnien haben es überlebt!). Alle Jahreszeiten im Schnelldurchlauf. Da ist es gar nicht so einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wird es noch mal einen Kälteeinbruch geben wie letztes Jahr, pokern und auspflanzen oder lieber auf Nummer sicher gehen und Cosmeen, Zinnien und Sonnenblumen im Gewächshaus behalten? Ich spiele auch mit dem Gedanken meine Dahlien bereits jetzt, Mitte April in die Erde zu setzen.

Mich macht das ganz verrückt, ich schaue ständig aus dem Fenster, dann wieder auf meine Wetterapp und kann mich nicht entscheiden. Ich möchte einfach später nichts bereuen…

Erfahrene Blumenbauern sagen, der April sei der schrecklichste, aufregendste und tollste Monat zugleich: man sät tausende von Samen und hat doch das Gefühl, niemals eine einzige Blume schneiden zu können.

Alles kommt gleichzeitig: Aussaat, Anzucht, Beetvorbereitungen, Auspflanzen, Marketing…

„Erfahrene Blumenbauern sagen, der April sei der schrecklichste, aufregendste und tollste Monat zugleich.“

Auch wenn man so sehr auf den Frühling wartet, kommt er dann doch immer in zu großen Schritten: Die Setzlingen drängen darauf in die Erde zu kommen und die Beetvorbereitung hinkt hinterher. Ich beobachte die Keimung täglich, sprühe und zupfe, trage raus und wieder rein – und doch stehen einige Tabletts mit 300 Setzlingen draußen als ein starker Schauer kommt und ich unterwegs bin – alles weggeschwemmt.

Ein anderes Tablett steht ganz hinten im Gewächshaus und als ich es wieder entdecke ist die Erde knochentrocken und die Setzlingen traurige, zusammengeschrumpelte Halme. Das bedeutet natürlich, dass ich nachsähen muss, aber auch eine Verzögerung von ca drei Wochen bei der entsprechenden Sorte habe.

Halbvertrocknete Setzlinge im Gewächshaus

Deswegen säe ich nun grundsätzlich mehr aus, als ich benötige. Zu Beginn habe ich gerechnet: 10qm Beetfläche, 25 Blumen pro Quadramter, also brauche ich 250 Blumen für dieses Beet und dann habe ich 250 Samen in die Erde gesteckt… Und mich hinterher total geärgert!

Denn es gibt immer Verluste: die Keimquote liegt teilweise nur bei 50 Prozent, die gekeimten Halme können vertrocknen oder ertrinken, manche erleiden beim Abhärten starken Sonnenbrand, erfrieren ausversehen oder werden vom Wind davon geweht und spätestens nach dem Einpflanzen ins Beet gibt es trotz Schneckenkorn einige, die aufgefuttert werden oder sonstwie verschwinden.

Also meine Faustregel: Ich säe meistens doppelt soviel aus, wie ich brauche! Und wenn ich dann doch zu viele habe (was selten vorkommt), setze ich sie irgendwo in meine Staudenbeete oder verschenke sie an Freunde mit Balkon oder Garten und die Freude ist immer groß!

„Also meine Faustregel: Ich säe meistens doppelt soviel aus, wie ich brauche!“

Nun ist es Ende April und zwei warme, feuchte Wochen liegen hinter mir und meinem Garten. Die Blumen haben sich allen Anschein nach gut eingelebt und Sonne und Regen genossen. Die Schnecken auch – so viele waren es noch nie! (Aber das denke ich jedes Jahr). Manches haben sie überraschend verschmäht (Islandmohn, Rittersporn, Basilikum und Levkojen) und anderes weggeputzt trotz Schneckenkorn (Eisenhut, Wicken und Narzissen…) – verstehe das wer will!

Und die Tulpen sind da! Endlich Farbe im Garten, rot, weiß, gelb, rosa, frisch, quietschig, leuchtend. Jeden Tag ziehe ich Tulpen aus der Erde, schneide Narzissen und freue mich über meine ersten Ernten.

Meine Beete sind fast fertig. Es fehlen nur noch das Dahlienbeet und eines für meine neuen Stauden (ich hatte einen kleinen Kaufrausch und habe ausversehen dreißig neue Stauden und blühende Sträucher bestellt).
Nun wird alles ein bisschen ruhiger – ein ganz kleines bisschen ruhiger. Die großen Beete sind fertig und der erste große Schwung einjähriger Blumen ist in der Erde. Das war wirklich ein Kraftakt! Und die tägliche Ernte von Tulpen, Narzissen, Kirschblüten und Zierquitte entschädigt mich jetzt schon für alles.
Die nächsten Wochen bestehen aus Unkrautzupfen, Nachsäen, hier und da ein bisschen Ernten und den großen Blumenbeeten beim Wachsen zusehen. Schön.

„Nun wird alles ein bisschen ruhiger – ein ganz kleines bisschen ruhiger.“

Bisher ist es noch ruhig hier...

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