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Durch das Jahr

Mai 2018

Es ist der heisseste Mai seit Jahren: die letzten Tage gab es 33 Grad und es hat seit fünf Wochen nicht mehr richtig geregnet. Alle ersehnten Gewitter und Schauer sind an uns hier im Norden vorbeigezogen.

Hochsommer im Frühling… Wer hätte das noch im April gedacht? Oder im Februar wo es vier Wochen Frost gab? Bisher kann man das Wetter des Jahres 2018 definitiv als extrem bezeichnen.

„Eine erfahrene Flower Farmerin sagte mal, es gibt drei Dinge, auf die du als Blumenbauer nicht verzichten kannst… Und ich weiß jetzt auch warum!“

Den Blumen tut es sehr gut: sie wachsen schnell und blühen kräftig, aber eben auch nur, weil ich alle paar Tage gieße, was mittlerweile gute zwei Stunden dauert. Eine erfahrene Flower Farmerin sagte mal, es gibt drei Dinge, auf die du als Blumenbauer nicht verzichten kannst: 1. Mulchfolie, 2. eine Kühlzelle, 3. Automatische Tröpfchenbewässerung. Und ich weiß jetzt auch warum!

Letztes Jahr hat es den ganzen Sommer so viel geregnet, dass ich im Juli nicht einmal gießen musste – doch man darf niemals von einem Jahr aufs nächste schließen!

Apfelblüten

Das Wetter ist also die letzten vier Wochen ziemlich unverändert gewesen: Sonne und Hitze. Abgesehen davon war es aber für mich ein sehr spannender Monat: ich stand das erste mal auf dem Markt! Im Endeffekt drei Wochen später als geplant, aber dann doch genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mit einem ganz kleinen Stand voll bunter Blumen.

Es war aufregend auf der „anderen Seite“ zustehen, nicht mehr über den Markt zu schlendern und zu kaufen, was gefiel, sondern seine „Ware feil zu bieten“. Doch ich konnte mich schnell entspannen, da viele Leute meine Blumen, die Blüten-Kekse und selbstgemalten Karten schön fanden und mittags war ich ausverkauft. Das war ein tolles Gefühl und die harte Arbeit war fast vergessen.

„Ich habe aber auch gemerkt, dass Markt mehr Stress bedeutet, als ich dachte.“

Ich habe aber auch gemerkt, dass Markt mehr Stress bedeutet, als ich dachte. Ich muss bereits am Mittwoch schauen, was ich wann schneide, wieviel ich wovon habe. In der Regel schneide ich nun Donnerstag, Freitag und Samstag früh, so gegen sechs Uhr vor der Arbeit bzw. vor dem Markt sowie Freitagabend und bringe alle Blumen dann in den Kühlraum bei meinen Eltern. Das ist zwar umständlich, aber bei über 30 Grad am Tag und 20 in der Nacht, kann ich die Blumen nicht draussen lagern.

Mein erster Tag auf dem Markt

Anders als geplant verkaufe ich allerdings keine fertigen Sträuße, sondern binde direkt auf dem Markt so wie die Kunden es sich wünschen. Das macht mir nicht nur mehr Spaß und erspart mir Arbeitszeit, so etwas gibt es auf unserem Wochenmarkt auch nicht.

Die Leuten finden es toll, sich genau das rauszusuchen, was ihnen gefällt. Das wird im Laufe des Vormittages natürlich immer weniger und der Stand sieht irgendwann etwas zerrupft aus, aber so ist es eben.

„Wo ich mir vor drei Wochen noch nicht vorstellen konnte, jemals Blumen zu ernten, erscheinen die Knospen über Nacht!“

Ansonsten liebe ich den Mai! Vor allem jetzt die letzten Tage – alles explodiert! Wo ich mir vor drei Wochen noch nicht vorstellen konnte, jemals Blumen zu ernten, erscheinen die Knospen über Nacht.

Die Pflanzen werden groß und kräftig und soweit sind alle gesund und sehen toll aus! Ich habe keine Ausfälle, keine Krankheiten, keine Schädlinge. Vielleicht eine Belohnung dafür, dass ich mich durch den fiesen Lehmboden gekämpft habe.

Überhaupt habe ich das erste Mal das Gefühl: es funktioniert! Der Plan geht auf! Die allerkleinsten, feinsten Samen wachsen, gedeihen und bilden wunderschöne große Blüten. Ja klar, das ist nichts Neues, ich sehe das jedes Jahr, aber es ist für mich trotzdem jedes Jahr wieder ein Wunder, etwas, das ich erst glaube, wenn ich es sehe.

Wahnsinnig viele Apfelblüten!

Anfang Mai habe ich den ersten Islandmohn geerntet – traumhaft! Fas vier Wochen konnte ich von den Pflanzen schneiden, immer wieder haben sich neue Blüten empor geschoben. Ich habe gelernt, dass Islandmohn um 7 Uhr morgens aufbricht, nur dann, nicht mehr im Laufe des Tages und man ihn sehr schnell schneiden muss. Wenn ich erst gegen zehn in den Garten kam summte und brummte das ganze Feld und viele Blüten waren schon etwas mitgenommen… Er hat sich wirklich toll gehalten, ca. Vier bis fünf Tage und die Kunden waren ganz begeistert.

Daneben konnte ich die erste Levkojen schneiden (vor allem „Apricot“ ist hinreißend!) und viele Stauden wie Wolfsmilch, Akelei, Salbei, Allium und das tränende Herz. Auch blühende Sträucher gäbe es, zb. Rhododendron, Schneeball und Flieder.

„Was mir aufgefallen ist: zum Sträuße binden fehlen mir die „Stars“, die großen zentralen Blumen und ich werde im Herbst Rosen und Pfingstrosen pflanzen.“

Jetzt Ende Mai ist die Ernte schon vielfältiger: der letzte Islandmohn, mehr Levkojen, die ersten Löwenmäulchen, Kamille, Marokkanisches Leinkraut (meine Entdeckung des Jahres!) und überwinterte Einjährige wie Kornblumen, Orlaya, Nelken und Jungfer im Grünen. Dazu kommen viele Stauden wie Lupinen, Goldfelberich, Iris, Astrantia, Margeriten und Glockenblumen.

Was mir aufgefallen ist: zum Sträuße binden fehlen mir die „Stars“, die großen zentralen Blumen und ich werde im Herbst Rosen und Pfingstrosen pflanzen. Ein schöner Strauch, den ich auch gerne hätte, ist der Jasmin, der jetzt so schön überall duftet!

Überhaupt wäre es mein großer Traum mit einer Schere durch alle Vorgärten zu gehen und diese traumhaften, überbordenden Rosen und Pfingstrosen schneiden zu dürfen! Ich war noch nie ein Rosenfan, fand das immer eher überwertet und nun ist es um mich geschehen! Mein Mann sagt, jetzt bin ich alt… Aber wenn die Rosenliebe zum Älterwerden gehört, werde ich gerne alt!

„Mein Mann sagt, jetzt bin ich alt… Aber wenn die Rosenliebe zum Älterwerden gehört, dann werde ich gerne alt!“

Bisher ist es noch ruhig hier...

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