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Blumenportraits

Wicken

„Was sind denn das für außergewöhnliche Blumen?!“, wurde ich auf dem Markt gefragt und auch wenn ich die kleinen, filigranen Blüten in Sträuße einarbeite sind die Kunden häufig überrascht – und begeistert.

Dabei haben Wicken eine sehr lange Tradition, vor allem in England, aber auch in Deutschland gehörten sie mit ihrem außergewöhnlichen Duft früher in jeden Bauerngärten.

Mittlerweile erleben Wicken ein richtiges Revival. Die amerikanischen Flower Farmer haben die nostalgischen Blumen für sich entdeckt und hunderte Sorten aus England importiert. Floret züchtet diese Sorten und verkauft mittlerweile die Samen.

Auf Instagram konnte man so in den letzten Jahren immer mehr Wicken entdecken und Floristen wie Kunden sind ganz verrückt nach ihnen.

„Tanzende Elfen, so nannte eine Freundin die kleinen hübschen Blumen und ich kann mir keinen treffenderen Vergleich vorstellen!“

Ich empfehle jeder Gartenbesitzerin (oder auch jeder Balkonista) mindesten fünf, sechs dieser zarten Pflanzen anzubauen! Die Stiele sind zwar relativ kurz, das Erntefenster klein und die Haltbarkeit nicht lang, aber ihre ungewöhnliche, filigrane Form und ihr betörender Duft machen sie zu richtigen Stars im Frühsommer.

Tanzende Elfen, so nannte eine Freundin die kleinen hübschen Blumen und ich kann mir keinen treffenderen Vergleich vorstellen!

Bevor wir zur Anzucht kommen, steht die Qual der Wahl: welche Sorten möchtest du pflanzen? Es gibt hunderte und eine ist schöner als die andere! Von dunklem lila, über knallige Pinktöne bis hin zu zarten Bonbonfarben und strahlend reinem Weiß.

Eine tolle Auswahl findest du als professioneller Bauer bei Geoseeds oder Johnny Seeds in Amerika. Möchtest du kleinere Mengen empfehle ich Keimzeit Saatgut. Da bekommt man Päckchen mit etwa zehn Samen pro Sorte. Und da man in jedem Herbst selber Samen nehmen kann, lieber kleine Mengen und dafür viele Sorten. Von einer Pflanze kann man etwa 50 Stiele schneiden.

„Und da man in jedem Herbst selber Samen nehmen kann, lieber kleine Mengen und dafür viele Sorten.“

Meine Favoriten:

  • Deep Purple: wirklich ein sehr dunkles lila, fast schwarz
  • Nimbus: fliederfarben-gräulich, tolle Musterung, wirkt sehr nostalgisch, besonders
  • Streamers Mix: mit einer feinen Musterung und meine zwei absoluten Highlight
  • Old Times: Mein Favorit, cremefarben mit lilanem Rand, tolle Stiellänge
  • Prince Of Orange: mein zweiter Favorit, leuchtend, frisch, ein tiefes Apricotorange.

Natürlich kannst du auch eine Mischung nehmen, dann hast du gleich mehrere Farben, weißt aber eben auch nicht, was du wirklich bekommst. Deswegen empfehle ich, lieber nach Farben zu kaufen und die restlichen Samen einfach aufzubewahren oder weiterzuverschenken.

„Old Times“

Die Kultivierung ist recht einfach. Wicken sind „Cool Flowers“, was bedeutet, dass sie entweder bereits im September direkt ausgesät werden können, ab Februar drinnen oder ab März/April draußen. Ich säe sogar schon Anfang Januar im Gewächshaus aus.

Am geschicktesten ist es, mehrmals auszusäen: also sowohl im September, als auch Anfang des Jahres und noch einmal im April. So hat man Blüten von Mai bis Oktober. Möchtest du sie draußen überwintern, musst du sie bei Frost mit Vlies schützen (oder gleich in einen Tunnel pflanzen, insofern du einen besitzt).

„Ich säe sogar schon Anfang Januar im Gewächshaus aus.“

Bevor du Wicken aussäst solltest du sie quellen lassen. Dafür legst du die Samen (nach Sorten getrennt) in Wassergläser und lässt sie etwa acht Stauden ruhen. Dadurch weicht die Schale der großen Körner auf und die Keimung wird erleichtert.

Wicken sind Tiefwurzler, von Anfang an. Falls du sie vorziehst benötigst du deswegen schmale, hohe Pflanzgefäße. Es gibt extra „Roottrainer“, schaue im Internet oder frage bei einer Gärtnerei nach. Ich empfehle allerdings, Milchtüten oder Saft-Tetrapacks oben abzuschneiden, unten Löcher hineinzustechen und mit Anzuchterde zu befüllen – kostet gar nichts und schont die Umwelt. Achte nur darauf, dass sie gründlich ausgewaschen sind. Setze zwei Samen pro Gefäß, etwa 1.5cm tief.

„Wicken sind Tiefwurzler, von Anfang an. Falls du sie vorziehst benötigst du deswegen schmale, hohe Pflanzgefäße. Ich empfehle Milchpackungen!“

Wicken werden pinziert, um buschig und kräftig auszutreiben. Dafür schneidest du den Haupttrieb einfach direkt über einer Blattachse ab, wenn er etwa 15cm lang ist. Du kürzt damit den Trieb auf etwa 5cm herunter. Habe keine Angst, die Pflanze dankt es dir, in dem sie mehrere Seitentriebe ausbildet.

Ich pinziere etwa Zweidrittel meiner Pflanzen. Das andere Drittel lasse ich so wachsen. Damit haben diese Blumen etwa eine Woche Vorsprung und blühen dementsprechend etwas früher, jedoch auch nicht so üppig.

Wicken keimen sehr schnell und wachsen auch zügig. Du brauchst allerdings nicht gleich ein Rankgerüst, lasse die langen Triebe ruhig über den Rand herunter ranken und pinziere sie kräftig. Es reicht, sie dann beim Auspflanzen aufzubinden.

„Wicken werden pinziert, um buschig und kräftig auszutreiben.“

Hast du nicht zufällig schon ein Rankgerüst im Garten oder auf dem Balkon, kannst du dir mit wenigen Hilfsmitteln eines bauen – so wie ich. Da reichen bereits zwei lange Stäbe (ca. 2.5m). Diese steckst du tief in die Erde (ca. 50cm), so dass sie guten Halt bieten. Dann wickelst du mit Jute oder anderem festen Band eine Art Netz, an dem die Wicken herausklettern können.

Wicken brauchen sehr guten Halt, also die Bänder eng setzen und hoch wickeln (ca. 2 Meter). Du kannst natürlich auch ein fertiges Ranknetz spannen.

Rankgerüst mit Jute

Wicken mögen es warm, sonnig und windgeschützt. Zudem einen tiefgründigen Boden (Staunässe tolerieren sie gar nicht) und viele Nährstoffe. Deswegen beim Setzen gleich ordentlich Kompost und Hornspäne mit einarbeiten, tief lockern und ca. alle zwei Wochen in der Wachstumsperiode mit organischem Flüssigdünger gießen.

Setze die Pflanzen Ende April/Anfang Mai mit etwa 20 Zentimeter Abstand an beide Seiten deines Rankgerüstes. Gieße kräftig an und achte darauf, sie etwa einmal die Woche zu befestigen, indem du einfach mit einem Band um das gesamte Gerüst und die Wicken herumbindest. Je mehr Halt die Wicken haben und je aufrechter sie wachsen, um länger und gerader werden ihre Stiele.

„Je mehr Halt die Wicken haben und je aufrechter sie wachsen, um länger und gerader werden ihre Stiele.“

Auch eine gute Wasserversorgung ist unerlässlich, je trockener, desto wichtiger! Gieße die Wicken bei Trockenheit alle zwei Tage kräftig und tiefgründig. In einem heißen und sehr trockenen Sommer waren meine Stiele deutlich kürzer. Man muss also wirklich sehr auf das Gießen und Düngen achten.

Wicken haben ein kurzes Erntefenster. Schneide sie, wenn die unteren Blüten noch geschlossen sind und warte nicht, auch wenn die Stiele dann länger werden. Die Haltbarkeit ist sowieso recht kurz, deswegen ist es besonders wichtig, früh zu schneiden und sie sofort kühl zu stellen. Sollten die Blüten bereits zu stark geöffnet sein, schneide die Stiele und werfe sie auf den Kompost. Wenn die Pflanzen Samen ansetzen, büßen sie ihre Blühfreudigkeit ein.

Wicken sehen sehr hübsch solo in kleinen Sträußen aus oder als luftige Zugabe in Sträußen und Arrangements. Der Duft ist sehr intensiv und etwas ganz besonderes.

Kurzinfo Wicken
  • Kategorie: Cool Flowers, Direktsaat und Vorkultur, Dunkelkeimer
  • Höhe: 2 Meter
  • Aussaat: Januar bis April oder im September
  • Auspflanzen: Ende März (Cool Flower/ Kältetolerant)
  • Entspitzen: ja
  • Düngen: stark
  • Blühzeitraum: Ende Mai bis Oktober (je nach Aussaat)
  • Erntefenster: kurz
  • Haltbarkeit: kurz (4-5 Tage)

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