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Die “Essenz” meiner Anzuchtplanung

Kurz habe ich überlegt: Soll ich noch einen weiteren Anzuchtartikel schreiben? Zehn Artikel die sich nur um die Anzucht drehen gibt es bereits hier: von der Anzucht mit der Erballenpresse über Anzucht mit künstlichem Licht bis hin zu den besten Zeitpunkten und Fahrplänen.

So bin ich alle Beiträge noch einmal durchgegangen und habe schnell gemerkt, dass sich die Inhalte Jahr um Jahr verändern. Wo ich 2018 bereits im Januar mit hohen Regalen voller Lampen startete und gestaffelt hunderte Sorten und tausende Setzlinge für den Verkauf vorzog setzte ich Jahr um Jahr andere Prioritäten, weniger Sorten, weniger Zeitpunkte. Ich lernte was funktionierte und was nicht, was den Aufwand wert war und was am Ende einfach verlorene Liebesmüh.

Diese Entwicklung ist ein ganz klarer Trend hin bei mir zu Qualität vor Quantität. Ich liebe das Gärtnern und meinen Blumengarten, ich liebe es aber auch gute Bücher zu lesen, spazieren zu gehen und in den Urlaub zu fahren. Mein Garten muss dazu passen und nun nach über zehn Jahren Erfahrung und Lernen bin ich ziemlich zufrieden meiner Cutflowergarden-Life-Balance. Aber ich möchte naürlich auf keinen dieser Schritte verzichten, sie waren wunderbar und lehrreich und ohne sie wäre ich nicht da wo ich jetzt bin. Aber vielleicht bieten sie euch eine kleine Abkürzung.

Was ich nicht mehr mache

Künstliches Licht
2026 ist mein erstes Jahr ohne auch nur eine Röhre mit künstlichem Licht. Jedes Jahr ist es weniger geworden und ich dachte, ich könnte nie auf Feldrittersporn und Phlox im Mai verzichten. Doch durch meine immer größer werdende Leidenschaft zu Anemonen und Ranunkeln habe ich festgestellt, dass mein Garten im Mai dank diesen beiden Sorten ein wogendes Blütenmeer ist und ich auf extra frühe Anzucht mit Licht nun locker verzichten kann. Künstliches Licht ist eine super Option, vor allem wenn man sie nur gezielt einsetzt, und ich werde sicher nicht für immer darauf verzichten.

Erdballenpresse
Ich bin ein Riesenfan der Erdballenpresse und finde sie ein wirklich großartige Erfindung! Allerdings tut mir das Handgelenk beim Pressen schnell weh, vor allem nachdem ich es mir 2024 noch einmal gebrochen hatte. Ich komme mit meinen geliebten Quickpot-Platten und im zweiten Schritt mit stabilen, hochwertigen 10cm Töpfen einfach deutlich besser zurecht.

Coolflowers im Herbst
Als ich noch angewiesen war auf eine sehr vielfältige frühe Ernte im Mai für meinen Marktstand gehörte die Anzucht von Coolflowers wie Feldrittersporn und Orlaya im Herbst für mich zwingend dazu. Doch über die Jahre stellte ich fest, dass die im Januar mit künstlichem Licht vorgezogenen Sorten die Setzlinge, die über den Winter draußen heranwuchsen sehr schnell im Wachstum einholten meist auch gesünder performten. Klar, ein Gewächshaus wäre hier ein Gamechanger.

Gärtnerei
Das war ganz schön traurig, aus den „heiligen Hallen“ der wunderschönen Gärtnerei auszuziehen. Der Geruch, das Licht, die hohe Luftfeuchtigkeit. Ich habe es dort geliebt und andererseits war es auch immer mit Stress verbunden, hinfahren zu müssen. Da meine Anzucht so stark reduziert ist, kann ich sie gut wieder zu Hause unterbringen und habe ich sie so täglich im Blick und schnell und effizient reagieren.

Fancy Sorten
Auch hier war es Herzschmerz mich von so wunderschönen Sorten wie Levkojen, Islandmohn, Chabeaud-Nelken oder Skabiosen zu trennen. Und ich glaube auch nicht, dass es für immer ist. Doch vorerst, wo ich mich noch mehr reduzieren möchte auf eine „Essenz“ verzichte auf diese Schönheiten. Es sind einfach Sorten, die überwiegend eine ziemlich schlechte Keimquote und in der Anzucht besonders hohe Ansprüche haben und gleichzeitig natürlich unfassbar schön sind. Es ist ein abwägen und aktuell werde ich vorerst auf sie verzichten.

Meine „Essenz“

Hier folgt nun das was bleibt, was für mich absolut unverzichtbar ist und wo Kosten und Nutzen für mich ganz persönlich in einem super Verhältnis stehen.

Ranunkeln und Anemonen
Platz 1, unangefochten. Wenn ich nur eine (zwei) Sorten pflanzen dürfte, wären es diese beiden. Die Blüten sind einfach unvergleichlich schön, so eine große Show von Anfang Mai bis Ende Juni wo noch nicht so viel anderes blüht im Garten. Dazu halten sie locker zwei Wochen in der Vase. Ich ernte alle zwei Tage eimerweise super lange Stiele, die Wohnung steht voll, ich verschenke an Freunde und Verwandte und meine Freude an dieser Schönheit ist unfassbar so groß.
Aber nur (!) nach meinem ausgeklügelten und nun super einfachem Konzept, dass ich über viele Jahre immer weiter optimiert und reduziert habe: hochqualitative Krallen, selbst vermehren, Anemonen im Herbst pflanzen, Ranunkeln im Frühjahr, richtig lagern. Wie ich das genau mache, Schritt für Schritt, zeige ich in meinem großen Online-Workshop und im Einzelkurs „Ranunkeln & Anemonen“.

Cosmeen
Als unangefochtene „Cut and Come Again“ die Queen in meinem Garten. Im Mai säe ich diverse Sorten aus, dazu gehören immer „Rubenza“, „Apricotta“ und „Cupcake“. Dieses Jahr probiere ich zwei neue: „Sakura“ und „Fandango“. Hier ist das Outcome einfach riesig: so ein kleiner Samen, der verlässlich keimt und kräftig wächst und unzählige Stiele hervorbringt. Cosmeen mag ich auch besonders gern als Gestaltungselement im Garten, der hohe Wuchs, die breite Verzweigung und dazu diese luftige, romantische Stimmung sind so schön.

Dahlien
Wie sollte es anders sein? Hier schreibe ich nicht viel, von Dahlien schwärme ich seit Beginn an und daran wird sich niemals etwas ändern. Schaut in diesen Artikeln und natürlich all meine Tipps und Tricks im Online-Workshop und im Einzelkurs.

Fazit

Mit diesen drei Sorten kommt man richtig weit, finde ich. Sie bilden ein super Grundgerüst mit dem man das ganze Blumenjahr über durchgehend viele Blüten im Garten hat, auch mit wenig Zeit oder Energie: Anemonen beginnen Anfang April, im Mai übernehmen Ranunkeln, ab Ende Juni blühen Cosmeen und gemeinsam mit den Dahlien die im Juli dazukommen blühen beide bis zum Frost.

Hierauf kann man nun aufbauen, mit diversen Einjährigen, Zweinjährigen und natürlich Stauden. Man kann ausprobieren, sich herantasten und Erfahrungen sammeln. Bei mir war es andersherum, ich habe tausende Sorten ausprobiert, Samen aus anderen Ländern bestellt, Versuche gemacht, Notizen gesammelt und dann erst reduziert, Stück für Stück für Stück. Das hat mich sehr viel Zeit und Kraft gekostet. Und nun, erst nach so vielen Jahren habe ich endlich mein Grundgerüst. Richtig kräftig steht es da, sicher und verlässlich. Vielleicht macht ihr es ja nun andersherum.

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12 Kommentare

  • Antworten
    Sona Terlohr
    8. März 2026 at 13:37

    Liebe Katharina,
    vielen Dank für diese Essenz – super! Cosmea und Dahlen habe ich und liebe ich – mit den Ranunkeln und Anemonen hat es letztes Jahr nicht so geklappt, darum habe ich dieses Jahr darauf verzichtet. Aber so wie Du es hier beschreibst, sollte ich mir vielleicht wirklich im Herbst Deinen Einzelkurs dazu endlich gönnen 😊 Ich bin jetzt erstmal in die Gemüse/-Tomatenanzucht eingestiegen – mit Lampen! Ich wünsche Dir einen schönen Sommer und lese Deine Artikel wirklich immer sehr gern! Herzliche Grüße, Sona

    • Antworten
      Katharina | Aus dem Garten
      8. März 2026 at 19:11

      Liebe Sonja,

      je nachdem wie man es macht ist es tatsächlich schwierig mit den Ranunkeln, das kann ich gut verstehen!
      Na dann hoffe ich mal, du entscheidest dich für den Kurs und dann klappts 🙂

    • Antworten
      Karin
      9. März 2026 at 11:42

      Liebe Katharina!
      Du schreibst mir aus der Seele! Weniger ist oft mehr! Auch im Garten. Ich freue mich weiter auf Deine Nachrichten. Sonnige Grüße an alle Gärtnerinnen

      • Antworten
        Katharina | Aus dem Garten
        11. März 2026 at 8:47

        Liebe Karin,

        dass freut mich sehr! Stimmt, weniger ist mehr, und dann lieber darauf aufbauen und erweitern, wenn es einem tatsächlich zu wenig sein sollte.
        Ganz liebe Grüße

  • Antworten
    Michaela
    9. März 2026 at 8:23

    Hallo Sona,

    lockere Erde und Schutz vor Wühlmäusen sind bei mir das A und O damit die Ranunkeln klappen.

    Liebe Katharina,

    ein Super Blog-Beitrag. Ich habe es nicht ganz so extrem gemacht und erlebt wie du, ohne Verkauf, aber ähnlich. Es hat mich irgendwann nur noch gestresst alle drei Wochen Folgeaussaaten zu machen etc. So habe ich auch reduziert, stimme mit dir total überein, außer bei den Anemonen, die mag ich nicht 😉 – aber so ist meine Gartenfreude zurückgekehrt, die ich fast verloren hatte. Dir nun einen ganz schönen Frühling!

    Michaela

    • Antworten
      Katharina | Aus dem Garten
      11. März 2026 at 8:46

      Liebe Michaela,

      da hast du ja tatsächlich ganz ähnliches erlebt. Schön, dass es für dich nun eine Balance bekommen hat. Aber warum magst du Anemonen nicht? 🙂
      Liebe Grüße
      Katharina

  • Antworten
    Cyra
    9. März 2026 at 15:39

    Ich habe dieses Jahr auch reduziert, bei mir sind Mohne, Kornblumen, Skabiose (easy Direktsaat) und neben Cosmeen die Zinnien unverzichtbar. Und vielleicht noch Löwenmäulchen, die sind ja auch nicht so schwierig und keimen auch am Fenster ohne Lampe. Dauert halt etwas. Und Sonnenblumen (aber nur zum anschauen und für meine Stieglitze, nicht als Schnittblume). Ich glaube meine Anemonen und Ranunkeln sind im Winter erforen. Habe beides im Herbst gesetzt, hätte ich wohl lieber aufs Frühjahr gewartet…

    • Antworten
      Katharina | Aus dem Garten
      11. März 2026 at 8:49

      Liebe Cyra,
      Skabiosen funktionieren bei dir über Direktsaat? Das ist natürlich super! Hat bei mir irgendwie nie gut geklappt. Mist, dass deine Anemonen und Ranunkeln erfroren sind. Ich empfehle hier auf jeden Fall die Frühjahrspflanzung, dann kann das nciht passieren.
      Liebe Grüße
      Katharina

  • Antworten
    Regula
    9. März 2026 at 21:30

    Liebe Katharina,
    Vielen Dank für den tollen Artikel, das ist wirklich der richtige Ansatz! Nicht nur für den Garten, auch fürs Leben 😉 Aber das Reduzieren fällt mir auch immer wieder schwer (nicht nur im Garten;)).
    Herzliche Grüsse aus Zürich
    Regula

    • Antworten
      Katharina | Aus dem Garten
      11. März 2026 at 8:49

      Liebe Regula,
      oh ja, da hast du recht, auch im Leben grundsätzlich und bei Dingen zu reduzieren ist so wichtig, und doch so schwer… Aber man kann ja klein anfangen 🙂
      Liebe Grüße
      Katharina

  • Antworten
    Marlena
    7. April 2026 at 17:52

    Liebe Katharina, ich habe mir endlich deinen tollen Workshop gekauft. Im Modul Anemonen und Ranunkeln erzählst du dass du für Ranunkeln eine Herbst und eine Frühjahrspflanzung für eine gestaffelte Ernte machst. Hast du die Herbstanzucht aufgegeben?

    • Antworten
      Katharina | Aus dem Garten
      9. April 2026 at 18:51

      Liebe Marlena
      oh, das freut mich! Genau, Ranunkeln baue ich derzeit nur noch in der Frühjahrspflanzung an. Das erkläre ich im Fazit-Video meiner Testungen.
      LIebe Grüße und ganz viel Spaß in der Saison!

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