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Tipps

Anzucht mit der Erdballenpresse

Wäre ich enthusiastische Amerikanerin würde ich die Entdeckung der Erdballenpresse ungefähr so beschreiben: „Wow, such an amazing workhorse! Incredible easy and time-saving tool I wont never miss again! Life Changing!“
Ja und auf deutsch klingt das nun etwa so: Die Erdballenpresse ist eine wirklich tolle Alternative zur Anzucht in Plastiktöpfen…


Und etwas detaillierter: Ich bin mal wieder durch die Amerikanischen Flower Farmer über diese Technik der Anzucht gestolpert, das Soilblocking ist dort weit verbreitet.
Denn es hat einfach so viele Vorteile: Zum einen spart es Zeit. Glaubt man erstmal gar nicht, weil man ja den Soilblock-Mix erst vorbereiten muss, also die richtige Erdmischung und dann eben mit der Presse hunderte von Erdballen machen. Doch auch die Plastiktöpfe wollen von Erde gefüllt werden, man muss ein Loch für den Samen hineinbohren (passiert bei der Presse automatisch) und, sehr wichtig, das Herauslösen der Setzlinge aus den Töpfen fällt weg.

„Ich bin mal wieder durch die Amerikanischen Flower Farmer über diese Technik der Anzucht gestolpert, das Soilblocking ist dort weit verbreitet.“

Beim Herauslösen passiert es mir auch des öfteren dass das dünnwandige Plastik einreißt und die Erde um die Wurzeln herum zerfällt. Und wenn man professionell Schnittblumen anbaut muss man alle Töpfe danach auswaschen und desinfizieren, um keinen Schimmel oder Krankheiten zu übertragen und die Töpfe bis zum nächsten Gebrauch lagern.

Der zweite, für mich ausschlaggebende Faktor sind die Pflanzen selbst. Durch die Anzucht in Erdballen wird ihr Wurzelwerk zum einen dazu angehalten, sich ordentlich zu verzweigen, da sie in Kontakt mit Sauerstoff kommen, wenn sie an die Außenseiten stoßen, anstatt sich zwischen Plastik und Erde zu kringeln. Und ihr Wurzelwerk wird beim Auspflanzen überhaupt nicht gestört und schön geschont. So kann man auch viel schneller kontrollieren, ob eine Pflanze „rootbound“ wird, also stark durchwurzelt und sich die Wurzeln unten verknoten.

Diese Überraschung erlebt man manchmal bei Plastiktöpfen, wenn die Wurzeln schnell gewachsen sind und sich am Boden in dichte Schlaufen legen. Viele Blumen mögen das überhaupt nicht, wie zum Beispiel Levkojen oder Lsisianthus. Bei einem Erdballen sieht man sofort, wenn die Wurzeln beginnen, unten heraus zu wollen.

„Und der letzte ganz große Vorteil: Weniger Plastik, weniger Müll!“

Und der letzte ganz große Vorteil: Weniger Plastik, weniger Müll! Ich dachte immer, naja, ich kaufe zwar die Plastiktöpfe, aber ich kann sie ja jedes Jahr wieder verwenden! In der Praxis sieht das leider anders aus. Viele der Töpfe gehen mir wie gesagt schon beim Rauslösen der Setzlinge kaputt oder beim Tragen von einem Ort zum anderen und das putzen verschiebe ich immer auf später, bis ich im Frühling völlig verdreckte Anzuchtpaletten aus dem Schrank ziehe… Dann kaufe ich doch wieder einige neue nach und ärgere mich über die Plastikproduktion. Die Anzuchtpresse hingehen fühlt sich so schön wertig in der Hand an – wie für die Ewigkeit gemacht.

Anfang Januar sind Löwenmäulchen die erste Aussaat. Ich nehme Bio-Aussaat-Erde aus dem Baumarkt und mische diese mit Bio-Katzenstreu. Hört sich komisch an, ist aber einfach nur Bentonit, dass nötig ist, damit die Erdmischung schön hält. Ich mache das nach Gefühl, vielleicht so zwei Tassen auf 20 Liter Erde. Dazu dann noch etwa 2 Liter Wasser und alles wie bei einem Pizzateig ordentlich durchkneten.

„Die Anzuchtpresse hingehen fühlt sich so schön wertig in der Hand an – wie für die Ewigkeit gemacht.“

Hat man ein angemeldetes Gewerbe kann man auch Profi-Substrate kaufen, z.B. von Floragard. Die gibt es auch extra für die Anzucht mit der Erdballenpresse, aber ich habe festgestellt, dass es das normale, feine Anzuchtsubstrat genauso tut. Und das ist mein Favorit! Ein Tipp von mir: fragt einfach bei einer Gärtnerei in eurer Nähe, welche Anzuchterde die benutzten und ob ihr vielleicht einen Sack kaufen dürft. So mache ich es jedes Jahr und bekomme damit vier große 70 Liter-Säcke Profierde, die man eigentlich nur Palettenweise mit mindestens 20 Stück kaufen kann.

Dann einfach die Presse füllen, indem man sie zweimal kräftig in die Erde drückt, die Reste unten gut abstreichen, z. B. mit einem Messer. Dann die Ballen in eine Kiste, Schale oder sonstige Unterlage drücken. Je feiner die Erde, desto besser geht das. Sind viele gröbere Teile, wie kleine Äste in der Erde, ist es schwierig, sie nur durch drücken zu füllen. Dann muss man häufig mit den Fingern einzeln die Blöcke füllen, was natürlich viel länger dauert – deswegen, je feiner die Erde, desto besser!

Meine Presse ist vom Biogartenversand. Ich benutze überwiegend die mit 1.7 cm Durchmesser. Begonnen hatte ich mit den 5cm Ballen, habe aber schnell festgestellt, dass ich dafür in meinem Anzuchtregal zu wenig Platz habe. Denn mit der Mini-Presse passen statt sechs Ballen 40 Ballen auf den gleichen Raum – und das ist ein enormer Unterschied, wenn man große Mengen vorzieht!

Sollten die Pflanzen doch zu groß werden, bevor ich sie auspflanzen kann, setze ich sie mit Hilfe der Pikierzapfen einfach in die größeren Ballen. Ja, das ist ein Schritt mehr Arbeit – aber es ist eben nur in seltenen Fällen notwendig und man muss Prioritäten setzen: mir ist eine maximale Ausnutzung meines Anzuchtsregals mit 16 Stunden Licht im Januar und 20 Grad wichtiger, als ein Arbeitsschritt mehr. Nur sehr schnell wachsende Sorten, die trotzdem länger im Haus bleiben müssen säe ich in die großen Ballen: Zinnien, Cosmea, Sonnenblumen und alles an schnellwachsendem, wärmeliebenden Gemüse (Tomaten, Zucchini, Aubergine, Gurke etc.) oder große Samen, wie Cerinthe, Lupine und andere.

Kleines Update: Seitdem ich im Gewächshaus der Gärtnerei meine Anzucht machen darf, säe ich fast alles in die großen Blocks, da ich so viel Platz habe.

„Ich nehme für die großen Ballen häufig die IKEA-Samla-Boxen. Dort bekomme ich dann etwa 90 bis 100 der großen Ballen hinein. „

Ich nehme für die großen Ballen häufig die IKEA-Samla-Boxen (60 x 80 x 18cm). Dort bekomme ich dann etwa 90 bis 100 der großen Ballen hinein. Natürlich sind die Samla-Boxen auch aus Plastik. Aber das Plastik ist sehr robust und die Boxen super leicht zu reinigen. Und es gibt auch Deckel dazu. Die setze ich bis zur Keimung auf, aber immer gut lüften, am besten mehrmals am Tag, damit sich kein Schimmel bilden kann und die Erde genug Sauerstoff bekommt. Für die kleinen Ballen nehme ich gerne Tabletts, wie es sie auch günstig im großen Möbelhaus gibt oder einfach Deckel. Damit ist es sehr einfach, die Pflänzchen hin und her zu tragen, z. B. mal tagsüber schon nach draußen, abends dann wieder rein. Da sind die Samla-Boxen ganz schön schwer…

Ein weiterer Vorteil von Erdballen ist, dass sie sehr lange ihre Feuchtigkeit halten. Man muss viel seltener gießen, als in Plastiktöpfen. Wichtig ist, dass die 5 cm Ballen ein anderes Klima haben, als die 1.7 cm Ballen. Bei den großen Ballen ist es ein Unterschied zwischen oben und unten – wenn man sie von unten ein wenig wässert, kann es sein, dass der feine Samen, der oben aufliegt, trotzdem vertrocknet. Deswegen Wässere ich die erste Zeit immer mit einer Sprühflasche von oben. Wenn die Wurzeln sich entwickelt und tiefer in die Erde vorgedrungen sind, gieße ich einfach Wasser in die Schale und die Ballen saugen sich voll. Dabei brauchen die kleinen Ballen häufiger Wasser, als die großen – etwa alle zwei Tage.

„Ein weiterer Vorteil von Erdballen ist, dass sie sehr lange ihre Feuchtigkeit halten.“

Einmal die Woche, wenn die Pflanzen ca. ein bis zwei Zentimeter groß sind, beginne ich zu düngen. Dafür nehme ich einen Bio-Blumen-Dünger, halbiere die Angaben auf der Falsche und gebe ihn zum Gießwasser.

Ich habe übrigens auch mal die Anzucht in Faser-Töpfen ausprobiert, die biologisch abbaubar sind und mitsamt Pflanze in die Erde gesetzt werden. Die Idee finde ich super, doch meine Erfahrung war leider ziemlich schlecht. Zum einen trocknete die Erde in den Töpfen sehr schnell aus, da die Feuchtigkeit nicht gehalten, sondern über die Seiten abgegeben wurde Zum anderen wuchsen die Pflanzen auch langsamer (ich weiß nicht nicht warum) und waren nach dem Auspflanzen deutlich schwächer, als die aus den Plastiktöpfen. Dazu kommt, dass der Preis ziemlich teuer ist, wenn man tausende von Töpfen braucht und diese jedes Jahr aufs neue kaufen muss.

„Ich habe übrigens auch mal die Anzucht in Faser-Töpfen ausprobiert. Die Idee finde ich super, doch meine Erfahrung war leider ziemlich schlecht.“

Islandmohn in Mini-Soilblocks vorgezogen

Kein professioneller Schnittblumen-Bauer betreibt seine Anzucht mit Faser-Töpfen, doch im Hobbybereich gibt es sicherlich Leute, die gute Erfahrungen damit gemacht haben – sonst wären sie ja nicht so beliebt. Ich gehöre jedoch leider nicht dazu…

Also zusammenfassend kann ich ganz einfach sagen: legt euch eine Erdballenpresse zu! Es lohnt sich einfach und es macht herrlich Spaß, diesen Erd-Matsch-Mix zu kneten (übrigens auch eine gute Aufgabe, die man an Kinder delegieren kann).

„Also zusammenfassend kann ich ganz einfach sagen: legt euch eine Erdballenpresse zu!“

4 Comments

  • Reply
    Tanja
    17. Februar 2019 at 13:33

    Den Seinen Satz im Aussaat-Post finde ich wunderbar: Jedes Jahr geht etwas schief… dafür klappt etwas anderes ganz wunderbar ❤️
    Bin mir gerade nicht sicher ob bei mir was schiefgeht…: habe für die Miniblocks Aussaaterde mit Öko-Katzenstreu gemischt. Da will nichts aufgehen anscheinend. Aus was sollte die Katzenstreu sein? Bei mir sind‘s reine Pflanzenfasern, steht da. Das ist dann wohl kein Bentonit. Eventuell ist da Gerbsäure drin, wie bei Rindenmulch? Danke für Deinen wunderbaren Blog – Lieblingsblog derzeit 😊

    • Reply
      Katharina
      17. Februar 2019 at 18:42

      Liebe Tanja, eigentlich hört sich das Katzenstreu richtig an! Wenn es nicht klappt, lasse es einfach weg und probiere es so. Wichtig ist, dass deine Aussaaterde nicht zu grob und faserig ist. Seit dem ich die tolle Erde eienr Gärtnerei benutzen darf, brauche ich kein Katzenstreu mehr einarbeiten. Vielen Dank für deine lieben Worte! Viele Grüße, Katharina

  • Reply
    Sarah
    29. September 2019 at 16:38

    Hallo Tanja, wie klappt das mit der Bewässerung? zerfallen die Erdballen dann nicht? Oder benutzt du dann ausschließlich einen Zerstäuber?

  • Reply
    Katharina
    1. Oktober 2019 at 10:05

    Liebe Sarah, bei mir ist es so, dass ich die Erdballen von unten bewässere, also einfach in meine Kiste reingieße und dann saugen sich die Ballen von unten voll, da zerfellt nix… Nur ganz am Anfang bestäube ich zusätzlich, damit der Samen nicht austrockent. Vielleicht ist es ja bei Sarah ähnlich 🙂

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