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Durch das Jahr

März 2021

„Alles dauert ewig und die Hälfte misslingt“ (Stefanie Flamm), treffender kann man die Gartenarbeit meines Erachtens nicht beschreiben. Wie viele Setzlinge habe ich schon gekillt, Blumen vertrocknen lassen, bin ausversehen auf kleine Blümchen getreten, habe Unmengen ausgesät und am Ende ist aus mir unerklärlichen Gründen nicht eine kräfte Pflanze zu Stande gekommen. Mit Löwenmäulchen ging es mir vor zwei Jahren so, im letzten Sommer mit Cosmeen. Ich schiebe es dann gern auf den Mond, ärgere mich kurz und mache weiter.

Doch in diesem Jahr scheint alles ineinader zu greifen. Bisher funktioniert tatsächlich alles und ich hatte noch keinen einzigen Ausfall. Das liegt aber nicht am Mond (auf den ich mal wieder nicht geachtet habe), sondern an den schlauen Aufzeichnungen in meinem Gartentagebuch. Manche Sachen stehen dort Jahr für Jahr im frühen Frühling, z.B. immer viel auszusäen, weil Schwund ist immer. Doch war der Schwund im letzten Jahr so groß, dass trotzdem kaum was übrig geblieben ist. Erst waren es Mäuse, die alle gekeimten Wickensamen aus den Töpfen gefressen hatten, dann Vögel, die die Zinniensamen wegpickten, dann die Eisheiligen Mitte Mai, die noch die letzten Zinnien und Cosmea schwarz werden ließen.

Meine Strategie in diesem Jahr heißt: Vorsicht ist besser als Nachsicht+ Geduld + Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle. Das bedeutet konkret:

  • ich säe Coolflowers (CF) Ende Februar und Sommerblüher (SB) erst Anfang April, so können die CF schon ausgepflanzt werden, wenn die gekeimten SB Platz brauchen und meine Arbeit entzerrt sich (großartige Idee!)
  • ich säe alles (bis auf Wicken) in Saatschalen, viele, viele Samen, einfach rein da, feucht halten, Deckel drauf, Schild dazu. Die Samen keimen super, ich bilde mir ein, besser als sonst und dann pikiere ich sie in Multitopf-Platten – eine Sorte pro Platte. So steht kein Töpfchen durch nichtgekeimte Samen leer und die Platten sind separat, so dass ich sie wunderbar in den Garten bringen kann, wenn sie soweit sind
  • jeden zweiten Tag checken! Ich gehe jeden zweiten Tag in die Gärtnerei bzw schaue bei allen Fensterbänken zu Hause nach, pinziere, gieße, sprühe. Das ist ein super Rythmus. Früher dachte ich oft, ach das passt schon – und es passte dann nicht, Setzlinge waren vertrocknet oder geschossen.
  • SB Wirklich erst Mitte Mai auspflanzen und CF nach dem Auspflanzen im März/April gut mit Vlies schützen, wenn es nochmal kälter wird

Das sind also meine vier neuen Regeln und ich bin ziemlich stolz, dass es so super klappt dieses Jahr. Ja, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, wer weiß was noch alles passiert, aber es ist eine Riesenverbesserung im Vergleich zu den letzten Jahren. Die Fensterbänke und die Gärtnerei sind voll mit starken, gesunden Pflänzchen bald bereit fürs Beet. Ich bin richtig stolz, auf die ganzen Blumen – so viele waren es noch nie!

Viele Löwenmäulchen in der Kinderstube

Und mir zeigt diese Lernkurve, dass zwar was nützt, sich einzulesen, aber man am Ende durch Erfahrungen (auch wenn man sie mehrmals machen muss) doch am nachhaltigsten lernt. Ich muss die Fehler anscheinend selber machen, es muss weh tun und dann bin ich erst penibel genug, es nach Lehrwerk zu machen. „Passt schon“ mag ich gerne, doch bei der Anzucht geht das leider meistens schief. Außer man hat noch Anfängerglück!

Ansonsten verbringe ich den März überwiegend im Garten. Das Wetter spielt mit, es ist oft sonnig. Ich pflanze alle Mitte Januar gesäten Löwenmäulchen und Levkojen ins Hochbeet unter Vlies, dort wachsen sie langsam, aber gut weiter. An ihre Plätze in den Beetn kommen sie erst Mitte April, wenn stärkere Fröste unwahrscheinlich sind und ich den Platz im Hochbeet für Gemüse brauche.

Und ich habe mir einen Traum erfüllt: einen Rosenbogen! Mein Garten war ja mal nichts außer ein Brombeerfeld mit drei Apfelbäumen. So versuche ich nun seit über vier Jahren aus diesem wilden Feld einen romantischen, zugewachsenen Blumengarten zu machen, was gar nicht so einfach ist. Denn zum einen wachsen alle gepflanzten Sträucher und Rosen wahnsinnig langsam („alles dauert ewig“…) und dann gibt es da ja auch noch die Kleingarten-Regeln, nach denen man leider nicht zu wild und zugewachsen gestalten darf. Doch der Rosenbogen mitten im Garten bringt mich dem wieder einen kleinen Schritt näher. Zwei Clematis wachsen dort nun empor.

Dazu gibt es ein neues Beet: ein mit Zieglsteinen eingefasstes halbes Hochbeet. Das rahmt nun geschwungen den Sitzplatz ein. Ich habe zunächst den Boden, der voller Brenneseln und Winde war mit halbreifen Kompost bedeckt, dann alles dick mit Zeitung ausgelegt und weiter mit reifem Kompost aufgefüllt. Nun wird das Beet Stück für Stück  mit Zucchini, Artischocken und Blumen bunt bepflanzt.

Je länger ich meine Beete gestalte, um so klarer ergibt es jeweils ein Thema. Denn die Beete sollen zwa üppig blühen, aber eben nicht chaotisch aussehen. Deswegen gibt es in jedem großen Beet eine oder zwei Leitstauden, die sich immer wiederholen und zum Boden und Standort passen. Es gibt mittlerweile das Phloxbeet, in dem sich sechs weiße Phloxe mit anderen abwechseln. Das Lupinen-Beet, das Rosenbeet, das Schafgarben-Beet, das Bauerngarten-Beet (mit Gemüse und bunten Blumen) und das romantische Beet. Dort sind acht Pfingstrosen im hinteren Teil und davor wechseln sich Frauenmantel, Storchenschnabel, Fingerhut und Katzenminze ab. Alles in Rosa-, Weiß- und Lilatönen. In den letzten Jahren war es oft noch nicht so üppig, wie ich es mir wünsche, aber ich glaube in diesem Jahr wird es langsam! Alle Stauden werden dann von passenden Einjährigen ergänzt. Ins romantische Beet kommen zb vor allem filigrane Cupcake-Cosmeen in Rosa und Weiß.

Dann doch noch eine Schreckensnachricht: Minierraupen in den Ranunkeln! Das sind mini Raupen der Minierfliege, sie lieben Ranunkeln und fressen sich durch die Blätter, dort hinterlassen sie eine weiße Spur. Wenn es nur wenige sind, ist es wohl nicht so schlimm, aber wenn große Teile befallen sind, fressen sie sich später auch durch die Blüten und machen die Blumen kaputt. Ich entferne alle Blätter mit Raupenspuren, entsorge sie im Hausmüll und sprühe mit Brennesseljauche aus dem letzten Jahr. So sind die Pflanzen etwas gestutzt, sehen aber gut aus. Ich hoffe, es reicht!

Und dann Ende März ist es endlich so weit: das große Beete-Putzen. Alle Staudenreste aus dem letzten Sommer werden entfernt. Meine Beete sehen den Winter über immer ziemlich wüst aus, aber durch die ganzen Pflanzenteile wird der Boden geschützt und Insekten haben Unterschlupf. Jetzt schneide ich alles bodennah ab, weil die frischen Staudenteile schon austreiben, entferne alte Blätter, zupfe Unkraut, bringe Kompost aus und alles sieht frisch und klar aus. Herrlich!

 

7 Comments

  • Reply
    Anke
    26. April 2021 at 7:38

    Guten Morgen Katharina,
    ach was hab ich von dir schon viel Inspiration und Tipps bekommen. Vielen vielen Dank dafür!
    Auch in diesem Artikel ist (neben deinen wie immer wunderschönen Fotos) wieder so viel Hilfreiches dabei. Und so viel Bekanntes, z.B. die Ungeduld, das nicht-warten-Können kenne ich nur allzu gut – deshalb stehen auf meiner Fensterbank etwa 70 Cosmeen, die schon jetzt 25 cm hoch sind und noch weitere 4 Wochen warten müssen bis zum Auspflanzen.
    Pikieren ist leider so gar nicht mein Fall, stelle ich immer wieder fest, deshalb arbeite ich sehr gern mit der Erdballenpresse (die ich ebenfalls bei dir kennengelernt hab 🙂 ).
    Deine Beetgestaltung hört sich toll an, besonders das romantische Beet! Ich liebe Katzenminze und finde, sie passt einfach überall dazu und ist unverwüstlich. Ich bin sehr gespannt auf Sommerbilder deiner Beete.
    Wie schön, dass es jetzt nach diesem echt langen Winter endlich so richtig losgeht mit der Gartensaison. Ich wünsche dir, dass dieses bisher erfolgreiche Gartenjahr so weitergeht, und schicke dir herzliche Gartengüße
    Anke

    • Reply
      Michaela
      6. Mai 2021 at 22:02

      Ich schließe mich an. Habe gerade wieder mit Spannung diesen Artikel gelesen. Gucke auch so viel bei dir nach und finde Inspiration!
      LG Michaela

      • Reply
        Katharina
        7. Mai 2021 at 15:04

        Vielen Dank für deine lieben Worte, Michaela! Das freut mich sehr 🙂

  • Reply
    Alessandra
    27. April 2021 at 11:19

    Liebe Katharina, dein Blog ist einfach ne Inspirationsbombe, wollte eigentlich nur noch pflegeleichte Stauden im Schrebi anbauen, jetzt stehen 11 verschiedene Einjährige auf Balkon und Fensterbänke 😆 wie machst du das denn mit dem Mohn, da steht überall nicht pikieren, sonst bleibt er klein. Auch in Anzuchtschalen oder direkt ins Beet? Liebe Grüße, Alessandra

    • Reply
      Katharina
      28. April 2021 at 9:23

      Liebe Alessandra,
      vielen Dank! Ich säe Mohn in kleine Plastiktöpfe und pflanze ihn dann zu mehreren, also den ganzen Wurzelballen zusammen aus. Deswegen eher kleine Töpfe. Klappt super 🙂

  • Reply
    Alexandra
    11. Mai 2021 at 18:15

    Liebe Katharina,
    ich bin eigentlich kein Fan von Blogs, aber deiner hat mich so gepackt, dass ich regelmäßig reinschaue 🙂 Vielen lieben Dank für deine Mühe und deine Arbeit, ich freue mich schon sehr auf die nächsten Artikel und bin immer sehr froh, wenn etwas neues zu Lesen kommt!
    Herzliche Grüße vom Balkon“garten“,
    Alexandra

    • Reply
      Katharina
      11. Mai 2021 at 20:23

      Liebe Alexandra,
      vielen Dank, das freut mich sehr! Heute Abend habe ich gerade den neuen April-Artikel veröffentlicht 🙂
      Viele Grüße,
      Katharina

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