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Durch das Jahr

August 2018

Der August ist mein Dezember. Zumindest im Garten. Für mich neigt sich das Gartenjahr dem Ende zu – und ich sehne es herbei. Zum ersten mal in meinem Leben! Ich fühle mich erschöpft, das letzte Jahr war eine reine Achterbahnfahrt und ich brauche eine Pause. Das hatte ich noch nie!

„Doch dieses Jahr ist alles anders. Im Grunde hätte für mich der Herbst schon im Juli beginnen können.“

Der Frühherbst stimmte mich sonst immer melancholisch und auch wehmütig: nun ist es bald vorbei mit saftigem Grün, bunten Blüten, wärmender Sonne im Nacken und Ernte im Korb. Die hellen Tage sollten nicht enden und ich genoss jeden Moment, als sei es eben nun bald der Letzte.

Volle Blütenpracht

Doch dieses Jahr ist alles anders. Im Grunde hätte für mich der Herbst schon im Juli beginnen können. Wie schon im letzten Blog-Beitrag vom Juni beschrieben, hatte ich mir einfach zu viel vorgenommen und auch wenn ich mir im Juli zwei Wochen eine Auszeit nahm (und auch keinen Blog-Artikel geschrieben habe), spürte ich noch die Nachwehen.

Ich habe seit letztem Jahr einfach jede freie Minute in meine Blumen investiert, gelesen, geschrieben, geplant und sobald es das Wetter ansatzweise zuließ habe ich im Garten alles umgesetzt, was ich mir vorgenommen und erträumt hatte.

Ich habe zurückblickend auch viel geschafft: zehn große neue Beete kultiviert, aus Unkraut und Rasen blühende Schnittblumenbeete gezaubert, den Garten umgestaltet, um maximalen Platz für den Blumenanbau zu haben und nebenher Marketing und Vertrieb ausgebaut, ein Gewerbe angemeldet, den Marktstand gebaut und Kunden aquiriert.

Kleiner Strauß mit Rudbeckia

Den Markt habe ich gehen lassen, doch das reichte nicht. Ich beschäftigte mich mit ganz grundsätzlichen Gedanken und kam zu folgender, entscheidender Erkenntnis: Ich fragte mich, für wen ich da eigentlich die letzten Monate so kopflos durch den Garten rannte, immer zu spät, immer hinterher? Für andere. Ich schnitt die Blumen, um andere Menschen glücklich zu machen. Was natürlich wunderschön ist – aber was ist mit mir?

„Ich schnitt die Blumen, um andere Menschen glücklich zu machen.“

Ich mache das alles nicht fürs Geld, das habe ich immer gesagt und ist mir nach wie vor sehr wichtig. Ich mache es aus purer Freude an der Schönheit der Blumen – aus Leidenschaft! Doch von Freude, Glück und Leidenschaft war schon lange nicht mehr viel übrig und damit verschwand auch der Sinn in meinem Tun.

Ich war von einer passionierten Gärtnerin zu einer gestressten Blumenproduzentin geworden. Maximale Wirtschaftlichkeit. So ein Quatsch! Das ist es nicht. Nicht für mich!

Rudbeckia in voller Pracht

Wenn ich für mich entscheide, dass Blumen anbauen nicht mein Broterwerb ist, sondern eine Leidenschaft in meiner Freizeit für mich sein soll, dann habe ich auch maximale Freiheit, bin niemandem etwas schuldig und darf und kann machen was ich will! Das hört sich so einfach an, war aber ein längerer Prozess, um das wirklich anzunehmen und es zur Grundlage meines Fühlens, Denkens und Handelns zu machen.

Und so begann ich alles wieder zurückzudrehen. Zwei Schritte vor, einen zurück. Kein Markt mehr, weniger private Bestellungen, keine Werbung mehr, keine Interviews.

Ich fuhr wieder in den Garten, um zu werkeln, zu beobachten, zu staunen. Nicht um zu produzieren. Und wenn nun hier etwas sprießte oder dort und eine Blüte an der Pflanze verwelkte – so what?

Ich goss nicht mehr jeden Tag, sondern jeden zweiten, oder dritten, das schafften meine Pflanzen auch so. Ich lasse den Dingen ihren Lauf und es fühlte sich sehr, sehr gut an!

„Die Dahlien schickten ihre ersten Blüten und bewiesen aufs Neue, dass sie die wahren Königinnen der Saison waren.“

Die Dahlien schickten ihre ersten Blüten und bewiesen aufs Neue, dass sie die wahren Königinnen der Saison waren. Phlox, Herbstanemonen und auch die ersten Herbstastern blühen.

Meine Skabiosen hätten UNBEDINGT ein Netz gebraucht, sie fallen übereinander, verwirren sich und wachsen krumm und schief… Hier beeindruckt mich vor allem „Burgundy“!

Weiße, Pinke, gelbe und rote Cosmean schicken Blüte über Blüte und auch die Zinnien sind in voller Pracht. Erstaunlich: meine im Januar ausgesäten Löwenmäulchen blühen immer noch! Total abgefahren, so lange, ununterbrochen!

Nichts desto trotz war es zu viel für mich, für dieses Jahr. Und wieder was gelernt! Ich kenne nun meine Grenzen, weiß, was mir wichtig ist, wo meine Schwerpunkte liegen und was ich will. Weniger ist mehr, zumindest zu diesem Zeitpunkt. Und das bedeutet für mich: ich werde einige der einjährigen Schnittblumenbeete in diesem Herbst in Staudenbeete verwandeln. Das macht weniger Arbeit und wenn man die Stauden in den ersten Jahren mit Einjährigen Dauerblühern wie Löwenmäulchen, Cosmeen und Ringelblumen zwischenpflanzt sehen sie dazu noch wunderschön aus.

All das fühlt sich gut an: den Garten etwas einfacher gestalten, mehr Stauden und blühende Sträucher. Den Dingen öfters ihren Lauf lassen. Kein Markt, weniger Bestellungen, weniger Hochzeiten – von allem weniger. Dafür wieder mehr experimentieren, ausprobieren, genießen und verschenken.

„Ich freu mich drauf!“

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