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Tipps

Meine Jahresplanung als Flowerfarmer

Im frühen Winter, wenn der Garten schläft und die Tage am kürzesten sind, kommt der gemütliche Teil der Gartenarbeit: die Jahresplanung. Kurz gefasst, was muss ich wann und wie aussäen, um von Frühling bis Spätherbst durchgehend frische Blumen schneiden zu können.

„In dem Artikel hier geht es um den professionelleren Blumenanbau, also die Planung für den Verkauf.“

In dem Artikel hier geht es um den professionelleren Blumenanbau, also die Planung für den Verkauf. So habe ich im Winter 2017 geplant. Wenn du dich eher zu den Blumengärtnern zählst und es dein Wunsch ist, einen schönen, üppig blühenden Garten oder Balkon zu haben, dann lies lieber diesen Artikel.

Wicken sollten zu drei Zeitpunkten ausgesät werden, um stetig ernten zu können

Bei der Saisonplanung rollt man das Feld am besten von hinten auf. Dann sollte die erste Frage lauten: Was und an wen möchte ich verkaufen? Bündelware an Floristen, Marksträuße auf dem Wochenmarkt, direkt an den Kunden durch Blumen-Abos, beliefere ich Restaurants oder Hotels oder sind Hochzeiten mein Geschäft.

Ich zeige nun an meinem Beispiel, wie man rückwärts plant, aber das lässt sich natürlich auf jede Situation übertragen.

„Dann sollte die erste Frage lauten: Was und an wen möchte ich verkaufen?“

Ich möchte kommendes Jahr, in meiner ersten Saison als Flowerfarmerin, Blumensträuße auf unserem Wochenmarkt am Samstag verkaufen. Das bedeutet für meine Sortenwahl: viele verschiedene Blumen und von allem etwas: zentrale Blumen, (viele) Füller, Luftiges und Scheiben müssen jede Woche von Mai bis Oktober in so großer Anzahl blühen, dass ich ca. 20 Sträuße in unterschiedlichen Farbtönen und Größen binden kann.

Ein Frühlingsstrauß mit Ringelblumen, Lupinen und Löwenmäulchen

Da ich nur sehr wenig Platz habe, konzentriere ich mich auf Ein- und Zweijährige sowie Cool Flowers, um meine Saison zu verlängern. Die Samen sind günstig und viele Blumen produzieren viele Stiele immer wieder aufs Neue. Durch versetztes Pflanzen bekomme ich mit wenig Platz und Geld genug Blumen, um meine Sträuße binden zu können. Natürlich ist das auch wahnsinnig viel Arbeit, aber für meine Situation die beste Lösung.

Ich wünsche mir eines Tages so viele Platz, dass ich verschwenderisch viele blühende Sträucher und Stauden anpflanzen kann: Schneeball, Flieder, Pfingstrosen, Rosen, Rittersporne, Hortensien, Astilben, Phlox und und und… Denn auf lange Sicht gesehen, sind diese natürlich auch günstig, brauchen viel weniger Pflege und bereichern jeden Strauß ungemein.

„Ich wünsche mir eines Tages so viele Platz, dass ich verschwenderisch viele blühende Sträucher und Stauden anpflanzen kann“

Nun wühle ich mich durch die verschiedenen Samenanbieter, z.B. Shiltern Seeds, Geoseeds oder Johnnys Seeds und stelle mir mit meinem Acount Wunschlisten zusammen. Ich füge alles hinzu, was ich einerseits wunderschön finde und andererseits spannend in einem Strauß sein kann.
Ich bekam mal den Rat, nur Blumen zu pflanzen, die ich liebe. Das hört sich etwas romantisch an, macht aber total Sinn! Denn dann freut man sich so sehr auf die ersten Blüten, dass man mit besonders viel Aufmerksamkeit und Liebe bei der Anzucht vorgeht.

Zinnien gehören nicht zu meinen Lieblingsblumen

Trotzdem gibt es auch einige Sorten in meinem Garten, die nicht in diese Kategorie fallen: Ich mag z.B. keine Zinnien… Ja, ich weiß, sie sind die beliebtesten Blumen überhaupt, aber ich mochte sie auch damals im Garten meiner Eltern schon nicht. Und trotzdem werde ich Zinnien anbauen, weiße, grüne und apricotfarbene, weil die einfach ganz toll mit anderen Blumen zusammen in einem Strauß aussehen. Ein anderes Beispiel sind Bells of Ireland, für mich sehen sie aus wie die Saugnapfarme eines Tiefseewesens – aber ein Hit im Strauß.

Zudem ist es empfehlenswert Sorten einzuplanen, die Floristen auf dem Großmarkt gar nicht, selten oder nur in schlechter Qualität bekommen oder ihren Duft verlieren, da sie die lange Lieferkette nicht gut überstehen. Das sind unter anderem Wicken, Mohn, riesenblütige Dahlien und besondere Sorten, wie Butterfly Löwenmäulchen oder weiße Ringelblumen.

„Zudem ist es empfehlenswert Sorten einzuplanen, die Floristen auf dem Großmarkt gar nicht, selten oder nur in schlechter Qualität bekommen.“

Meine Listen werden lang und länger, bis ich mich daran mache meine Beete aufzuzeichnen und zu berechnen wie viel Fläche ich tatsächlich zur Verfügung habe. Bei mir sind das im kommenden Jahr unglaublich wenige 100qm Beetfläche in ca. 500qm Garten.

Deswegen gehe ich meine Wunschlisten nun erneut durch und streiche alles runter, worauf ich irgendwie verzichten kann (immer schmerzhaft).

Jetzt kommt also der nächste Schritt: überlegen, was wo hin soll. Und dabei muss einiges bedacht werden: Sonne oder Halbschatten, viel Dünger, wenig Dünger, Tunnel ja oder nein, Netze ja oder nein, Cool Flower, wie oft wird das Beet über das Jahr neu bepflanzt durch versetztes Pflanzen.

Denn am geschicktesten ist es natürlich ein Beet nur mit einer Sorte, zB. Löwenmäulchen in den unterschiedlichsten Farben, zu bepflanzen. Dann braucht man den gleichen Standort, gleichen Dünger, sie blühen zur gleichen Zeit und können dementsprechend auch wieder abgeerntet und neugepflanzt werden. Sie brauchen am besten einen Tunnel und auf jeden Fall Netze.

„Die verschiedenen Blumen für das gleiche Beet sollten aus der gleichen Kategorie kommen: CC, MP oder OHW und ähnliche Ansprüche an Dünger und Netze haben.“

In meinem Fall ist es etwas komplizierter, da ich auf dieser kleinen Fläche 90 Sorten anpflanzen möchte und sich so immer mehrere Sorten ein Beet teilen müssen. Meine Beete sind überwiegend 1.5 Meter breit und vier Meter lang. Das teilen sich dann zwischen zwei und vier Sorten. Und die müssen eben einigermaßen zusammenpassen in ihren Ansprüchen…

Die verschiedenen Blumen für das gleiche Beet sollten aus der gleichen Kategorie kommen: CC, MP oder OHW und ähnliche Ansprüche an Dünger und Netze haben. So kann man die Erde gleichmäßig vorbereiten, Netze spannen oder auch nicht und die Blumen sind zu einer ähnlichen Zeit verblüht und können ausgetauscht werden.

Kurze Empfehlung: Erst die Beete planen, wenn die Samenauswahl getroffen ist! Sonst plant man die Beete am Ende drei mal oder öfter (ich weiß wovon ich spreche…).

Wenn ich nun weiß, dass ich für Rittersporn „Misty Lavender“ einen Quadratmeter habe und ich ihn in meine Mulchfolie setze, die alle 20cm ein Loch hat, bekomme ich 25 Pflanzen unter. Da ich Rittersporn zwei Mal aussäe (Anfang Februar und Anfang März), brauche ich also 50 Samen. Wenn der Pflanzabstand größer ist, wie bei Cosmea oder Dahlien, ist die Anzahl natürlich eine andere.

Rittersporn „Misty Lavender“

Dabei kann man jedoch viel enger pflanzen, als auf den meisten herkömmlichen Samentüten angegeben. Die Empfehlungen richten sich nach einem normalen Hausgarten, doch im Schnittblumenanbau zählt jeder Zentimeter und neben der Platzersparnis ist ein weiterer Vorteil, dass die Blumen, wenn sie enger stehen, aufrechter und höher wachsen, da sie stärker um Licht konkurrieren.

Natürlich darf man wiederum nicht zu eng pflanzen, um Mehltau und andere Krankheiten nicht zu begünstigen. Die Pflanzlöcher meiner Mulchfolie haben 20 Zentimeter Abstand und das geht für sehr viele Sorten super. Wenn eine Blume mehr Abstand benötigt, lasse ich ein Loch aus und decke dieses mit Rindenmulch ab.

„Dabei kann man jedoch viel enger pflanzen, als auf den meisten herkömmlichen Samentüten angegeben.“

Ich plane zudem in jedem Bett je zwei bis drei „Nützlingspflanzen“ ein. Dabei wechseln sich Ringeblumen, Kapuzinerkresse, Tagetes und Kräuter wie Borretsch, Thymian, Pfefferminze und Basilikum ab. Praktisch ist, dass auch diese wunderschön in Sträuße passen.

Ringelblume „Ivory Princess“ ist nicht nur wunderhübsch, sondern auch eine sehr nützliche Mischkultur

Ich trage dann in meine Aussaattabelle alle Sorten ein, ihr jeweiliges Aussaatdatum, die Menge an Samen und der entsprechende Zeitpunkt ihrer Blüte. Das Hilft mir dann, für meine Marksträuße zu planen. Denn ich trage in eine weitere Tabelle („Blumen übers Jahr“) ein, welche Blumen eben wann blühen und damit weiß ich dann, aus welchen „Zutaten“ ich meine Sträuße binden kann. So sehe ich schnell, ob mir eine Farbe fehlt, ich zu viel rot habe oder zu wenige Füller. So weiß ich auch, ab wann ich meinen ersten großen Strauß verkaufen kann – und wann den letzten.

Ich kalkuliere so, dass ich von den Sorten, die Anfang Mai blühen und für mich sehr wichtig sind (denn das ist eine Zeit in der die Leute gerne Blumen kaufen, der Frühling ist da, aber der Garten blüht noch nicht, alle haben Sehnsucht nach bunten Blüten) besonders viele habe. Das sind vor allem Levkojen, Löwenmäulchen, Kornblumen, Islandmohn, Tulpen, Narzissen und Ranunkeln.

„Zum Herbst hin dann schraube ich die Produktion wieder leicht hoch und stimme sie auf die Dahlien ab.“

Im Mai und Juni hingegen gehe ich mit der Anzahl der Samen pro Sorte bei der Anzucht etwas runter, denn im Juli und August blüht so vieles und die Kauflust der Leute ist dagegen etwas geringer – oder sie sind in den Sommerferien im Urlaub. Zum Herbst hin dann schraube ich die Produktion wieder leicht hoch und stimme sie auf die Dahlien ab.

Dann vergleiche ich Preise. Wenn es Misty Lavender bei mehreren Anbietern gibt, gucke ich, wer das beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Und das ist oft nicht der mit der günstigsten Samentüte, man muss immer beachten, wie viele Samen in der Tüte sind! Hört sich logisch an, darauf habe ich aber am Anfang nie geachtet…

Einige meiner Samentüten

Oft werden Samen um so günstiger, je größere Mengen man davon kauft. Es macht allerdings wenig Sinn, auf Vorrat zu kaufen, denn das Risiko, dass einige Samen in ein oder zwei Jahren nicht mehr keimen ist groß und dann kommt es einen unter Umständen teurer, einen Teil der Samen wegschmeißen zu müssen, als gleich die kleinere, etwas teurere Tüte zu kaufen.

Ich habe auch Samen getauscht, also eine andere Flowerfarmerin hat eine große Menge Löwenmäulchen „Orchidee“ gekauft und ich „Miss Butterfly Apricot“ und dann haben wir uns die Tüten jeweils geteilt. Allerdings ist das auch wieder mehr Arbeit und gar nicht so einfach, eine genaue Anzahl Samenabzuzählen – Aber es macht Spaß!

Also die Samen sind bestellt, die Zeichnung mit den Beeten und der Einteilung ist gemacht. Ich habe meine Tabellen für eine Übersicht aller Blumensorten, Verfügbarkeit übers Jahr und Aussaatzeitpunkt. Die Daten übertrage ich dann in meinen Kalender und mache mir ein Zeichen dazu, ob ich im Haus vorziehe, geschützt unter Folie aussäe oder direkt ins Beet und auch, ob die Samen zuvor in den Gefrierer kommen oder gewässert werden müssen – denn dann heißt es Gehirn ausschalten und nur noch stumpf nach Kalender aussäen und hoffen, dass meine ganze Planung aufgeht…

„Ich säe an einem festen Tag die Woche, meist Mittwochs, weil ich einfach am meisten Zeit habe.“

Ich säe an einem festen Tag die Woche, meist Mittwochs, weil ich einfach am meisten Zeit habe. Denn so bin ich effizienter: da ich mit der Erdballenpresse arbeite und meinen Anzuchterdemix frisch „anrühre“ mache ich gleich eine große Kiste und verbringe Stunden mit Pressen und Säen und dann ist zwei Wochen Pause. Oder eben mit aussäen im Garten.

Mir macht diese ganze Planerei riesig Spaß – Gott sei Dank! Denn es ist wirklich zeitintensiv, alles in allem sitze ich sicher zwei Wochen daran und schmeiße regelmäßig wieder alles um, bis ich dann ein richtig gutes Gefühl habe. Doch mit der Zeit wird man sicher geübter und was auch ein großer Schatz ist: sich dann übers Jahr Notizen zu machen zu jeder einzelnen Sorte. Wann habe ich sie ausgesät, wann ausgepflanzt, welcher Standort, wann kam die erste Blüte, wieviele Stiele pro Blume, wie war die Haltbarkeit – und würde ich sie wieder mit aufnehmen in meinen „Blumenkanon“.

„Am besten man hat ein Klemmbrett im Garten und macht sich immer zwischendurch kurz ein paar Notizen. Toll ist es zusätzlich, wenn man noch ein Gartentagebuch führt.“

Das ist sehr viel Arbeit, aber zahlt sich ungemein aus! Am besten man hat ein Klemmbrett im Garten und macht sich immer zwischendurch kurz ein paar Notizen. Toll ist es zusätzlich, wenn man noch ein Gartentagebuch führt. Im Winter lese ich meine Aufzeichnungen erneut und wundere mich über ganz vergessene Situationen und Gefühle – z.B. das ich eine Blüh-Lücke Anfang August hatte oder mir die gelben Löwenmäulchen mit ihrer Penetranz auf die Nerven gegangen sind.

Kleiner Edit zum Schluss:
Jetzt, ein Jahr später, kann ich tatsächlich  sagen, dass meine ganze Planung im Großen und Ganzen wirklich aufgegangen ist! Das Wetter hat mir zum Jahresbeginn ganz schön zugesetzt, Blühzeiträume haben sich nach hinten verschoben. Aber ich hatte tatsächlich in jeder Woche genug Blumen, um abwechslungsreiche, bunte Sträuße zu binden. Wie es mir erging könnt ihr hier nachlesen.

Bisher ist es noch ruhig hier...

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