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Blumenportraits

Chrysanthemen

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde: Ich liebe Chrysanthemen! Chrysanthemen waren für mich immer diese kleinblumigen Sträucher, die es im Herbst in jedem Blumenladen und Baumarkt zu kaufen war und alle sahen gleich aus. Sie leuchteten in Pink, Knallgelb und Lila, oft auch in allen drei Farben zusammen. Künstlich sah das für mich aus – und vor allem spießig…

„Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde: Ich liebe Chrysanthemen!“

Durch meinen Workshop bei Floret entdeckte dann vor zwei Jahren auf einmal völlig anders aussehnde Chrysanthemen: manche waren sehr hoch, hatten riesige Blüten, die an Dinnerplate-Dahlien erinnerten, andere hatten spinnenartige, schmale Blütenblätter oder kleine, niedliche offene Blüten in allen erdenklichen Farben. Manche waren dicht gefüllt und auch in wunderschönen pastelligen Farben, wie Altrosa, Cremeweiß oder Pfirsich. Ich forschte gleich nach und musste feststellen, dass es diese Sorten nur in den USA gab, bei Kingsmums. Dort gab es so viele unterschiedliche Sorten, ich war hin und weg. Doch leider verschickten Kingsmums ihre Stecklinge nur innerhalb der USA.

„Manche waren dicht gefüllt und auch in wunderschönen pastelligen Farben, wie Altrosa, Cremeweiß oder Pfirsich.“

Ich verabschiedete mich von dem Thema, konzentrierte mich auf meine (wunderschönen) Dahlien und vergass diese besonderen Blumen. Bis mich Bernhard von Gabel und Spaten anrief und fragte, ob ich nicht mitbestellen wolle – er habe tolle Chrysanthemen in England entdeckt, die auch nach Deutschland versenden. Ich war sofort dabei und hatte nun die Qual der Wahl, bei Chrysanthemumsdirect gab es nämlich auch eine Riesenauswahl.

Ich entschied mich für eine mittelfrühe Sorte, die „Allouise-Series“, in den Farben White, Orange, Salmon und Pink. Wir teilten uns den Versand zu dritt und ich zahlte etwa 3 Euro pro Pflanze. Ein paar Wochen später, im April, kam dann ein sehr kleines Päckchen mit noch kleineren Stecklingen, ca. 7cm groß und dachte mir, oh je, und das sollen solch riesige Blumen werden?

Ich pflanzte sie in kleine Töpfe auf meiner Terrasse mit Blumenerde – und siehe da, man konnte ihnen beim Wachsen fast zuschauen. Schon zwei Wochen später musste ich sie in größere Töpfe setzen. Bernhard und Malin von Wildling nahmen sofort wieder Stecklinge von den groß gewachsenen Jungpflanzen, etwa zehn Stück pro Pflanze und vermehrten so ihren Bestand. Wie man Stecklinge nimmt, könnt ihr hier am Beispiel der Dahlien sehen. Ich lies sie erstmal einfach nur wachsen und im September waren sie schon über einen Meter hoch und entwickelten mehrere kleine Knospen pro Stiel.

"Salmon"

Wenn man besonders große Blütenbälle möchte, sollte man die Knospen ausknipsen und nur eine dran lassen. Dann geht alle Kraft nur in diese eine Blüte. Ich habe alle Blüten stehen lassen und habe etwa sechs Blüten Stiel. Die Blüten sind etwa zehn Zentimeter groß und passen perfekt in meine Sträuße.

Die Töpfe sollten etwa alle zwei Wochen mit einem Bio-Flüssigdünger gedüngt werden und ich steckte Stäbe in die Erde, um die Pflanzen besser zu stützen. Mitte Oktober zeigten sie ihre ersten, wunderbar duftenden Blüten und diese waren noch schöner, als ich gehofft hatte! Riesige, weiche Blütenbälle, die Farben entsprachen exakt den Fotos bei der Bestellung.

„Wenn man besonders große Blütenbälle möchte, sollte man die Knospen ausknipsen und nur eine dran lassen. Dann geht alle Kraft nur in diese eine Blüte.“

Als die Dahlien ihre Blühkraft verloren fingen die Chrysanthemen an ihre Schönheit zu zeigen. Ich schnitt die Blumen tief unten am Stiel, als die Blüten etwa zu zweidritteln aufgeblüht waren. Dann band ich traumhafte, riesige Sträuße und durfte selbst feststellen, dass sich die Blumen fast vier Wochen in der Vase hielten! Ohne das ich das Wasser wechselte – total verrückt. Ich glaube, es gibt kaum eine Blume, die sich länger hält, als Chrysanthemen! Das hätte ich wirklich nicht gedacht. Und ich liebe ihren Duft: er ist lieblich, sanft, aber nicht süß, ein bisschen wie frisch gewaschen.

Nun kommt jedoch der (kleine) Nachteil: diese Hybrid-Chrysanthemen sind nicht frosthart. Das bedeutet, man muss sie drinnen überwintern. Am besten natürlich in einem beheizten Gewächshaus. Da ich so einen Luxus leider nciht mein eigen nennen darf, muss ich mir alternativen suchen. Also habe ich viel gegoogelt, in der amerikanischen Flower-Farmer-Facebook-Gruppe diverse Beiträge durchforstet und mich mit meinen Slow-Flower-Bewegungs-Kollegen besprochen: ich werde die Chrysanthemen in den Töpfen lassen, sie etwa auf zehn Zentimeter zurückschneiden und so in die Garage stellen. Dort ist es immer so um die zehn Grad. Ich werde sie bei Bedarf ein wenig gießen, also dass sie nicht völlig austrocknen und dann Anfang März wieder nach draußen stellen. Ich bin sehr gespannt, ob mein Experiment gelingt und die Pflanzen dann wieder austreiben.

Sollte es klappen möchte ich im nächsten Jahr ganz viele Stecklinge schneiden, wieder ein paar der Schönheit wegen auf der Terrasse stehen lassen, aber auch viele davon in Beete in den Garten setzen. Ich werde natürlich von meinen Erfahrungen berichten!

Kurzinfo Chrysanthemen

  • Kategorie: Herbstblüher, Stauden
  • Besonderheit: Schön auf dem Balkon in Töpfen
  • Höhe: ca. 100 cm
  • Auspflanzen: März
  • Stecklinge nehmen: Juni
  • Entspitzen: ja
  • Düngen: alle zwei Wochen
  • Blühzeitraum: Ende September bis Anfang November
  • Art: Medium Producer
  • Erntefenster: mittel
  • Haltbarkeit: sehr gut, drei bis vier Wochen

Ein Strauß Chrysanthemen in der Abendsonne

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