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Allgemein Interviews

Interview mit Anne von „Ikoflowers“

Anne lernte ich bei unserem ersten Treffen der Flower Farmer kennen. Ich fand ihre offene, lebhafte Art und vor allem ihren Glauben an das Universum und ihren Humor sofort ansteckend. Wir habe uns auf Anhieb so gut verstanden, dass sie mich kurz danach in meinem Blumengarten in Bremen besuchte. Anne trug die Liebe zu den Blumen schon immer in ihrem Herzen und ihr Weg war ganz sicher vom Universum vorbestimmt, doch erst ein Workshop in New York bei der Farmerfloristin „Saipua“ öffnete ihr die Augen und ließ sie „Ikoflowers“, ihr eigenes Blumenstudio gründen. Ich freue mich riesig, dass die viel beschäftigte Anne die Zeit gefunden hat, mir meine Fragen zu beantworten!

Die wunderschöne Anne mit wunderschönen Anemonen

Liebe Anne, warum kamst du auf die Idee, die Blumen für deine Arrangements selber anzubauen?

Liebe Katharina, erst mal vielen Dank! Ich freu mich sehr in deiner Interview Reihe dabei sein zu dürfen! Ich freu mich total!
In meinem Fall, lief der Weg zum Anbau über das Design.
Ich brauchte krumme Stiele und Sorten, die ich im Großmarkt nicht fand. Ich kam von einer wundervollen 1:1 Flowerclass in England, mit einer Liste von Rosen und Saaten, obwohl ich bis dato nie Erfolg mit Aussaat hatte. Aber es war Herbst und ich beschäftigte mich den Winter über mit den notwendigen Techniken und startete im Februar 2017 voller Enthusiasmus einen kleinen Schnittblumengarten. Einjährige, Rosen und Dahlien. Im Zuge dessen hat sich mein Bewusstsein für die Toxizität der klassischen Floristik noch mal so was von gewandelt… Ich stehe heute mit großem Unverständnis vor der Tatsache, dass Natur benutzt und zerstört wird und es kaum Aufklärung für die Kunden gibt… Ich möchte das unbedingt ändern, denn es ist so ein großes Paradox…

Dein Fokus liegt auf Hochzeiten und Workshops. Hat sich deine Arbeit verändert, seitdem du viele der Blumen aus dem eigenen Garten nimmst?

Oh ja, sehr. Nicht nur die Farbpalette hat sich verändert, vor allem die Zutaten und die Form. Meine Sträuße sind noch mal wilder geworden, irgendwie auch in Korrelation mit den verwendeten Blumen. Die Farben sind unbestimmter, verwaschener geworden. Ich liebe Zwischentöne, die man sonst nicht so findet…

Erzähle uns etwas über die Gärten der Ippenburg und wie es dazu kam, dass du nun dort Blumen schneiden darfst!

Die Gärten der Ippenburg sind eine riesiger geheimer Garten. Freifrau von dem Bussche, die dort wohnt, hat eine große Gartenseele und man trifft sie meistens, in Arbeitskluft, im Küchengarten. Sie hat das ganze Gelände sehr feinsinnig, in einer Mischung aus wild und gezähmt gestaltet. Da gibt es den gerade angelegten Küchen- und Schnittblumengarten, aber auch viele wilde Bereiche in denen Unmengen Vögel leben und die eine Zuflucht für Bienen und Insekten sind.
2-3 Mal im Jahr öffnet Sie die Tore für Ihre berühmten Gartenfestivals, bei denen Sie definitiv eine Vorreiterin war. Insgesamt ist sie eine wahnsinnig tatkräftige, vor Energie sprühende Frau.
Anfang des Jahres kam Sie auf uns (Tom, den Chef vom Ikorestaurant und mich) zu. Sie war begeistert von unserem Konzept und bot uns an, jederzeit in Ihrem Garten schneiden zu dürfen. Ihr Wunsch war es, die Gärten noch auf eine weitere Ebene zu heben, als die des reinen Showgartens. Sie wollte das alles genutzt wird.
Ich konnte das zunächst kaum glauben, denn ich ernte ja geradezu manisch, wenn ich darf! Aber es ist wahr. Und jetzt haben wir den Schlüssel zum Paradies.

Ein florales Arrangement von Anne in ihrem Studio

Wie sind die Reaktionen deiner Kunden, wenn sie erfahren, dass viele Blumen aus deinem Garten stammen?

Die meisten können nicht glauben, das man auf so einer kleinen Fläche so viel anbauen kann. Aber genau das ist für mich auch das Faszinierende an Einjährigen! Insgesamt sind alle total begeistert und schätzen die besonderen Sorten und die Liebe, die in die Blumen geflossen ist. Was ich außerdem immer wieder zurück gemeldet bekomme ist die wahnsinnig lange Haltbarkeit.

Du verzichtest bei deinen Arrangements vollständig auf Steckschaum. Warum ist dir das so wichtig?

Steckschaum ist ein Phenol-Formaldehyd Gemisch. Also Plastik. Entgegen eines leider weit verbreiteten Irrglaubens, das Steckschaum auf dem Kompost verrottet, zerfällt er lediglich zu Mikroplastik. Oder er landet in der schwarzen Tonne obwohl er eigentlich getrennt entsorgt werden muss. Bei jeder Arbeit mit Steckschaum wird also Problemmüll in teilweise großen Mengen produziert. Ich fühle da so eine große Diskrepanz, denn die Floristik gestaltet mit der Natur, aber zerstört sie gleichzeitig. Ich finde das muss aufhören und glaube, dass es auch gar nicht so schwer ist. Es gibt einige nachhaltige und sehr professionelle Alternativen. Ich habe Steckmasse noch nicht vermisst.

Bei wem hast du bisher Workshops gemacht und was hast du dabei gelernt?

Ich habe Workshops bei Saipua in New York, bei Jo Flowers in Norfolk, Cultivated by Christine, Simply by Arrangement, Hedgerow und inzwischen zwei bei Fleuropean und Hart Floral besucht. Was ich dort gelernt habe hat meine Vorstellungen deutlich übertroffen. Sowohl auf fachlicher, als auch auf seelischer Ebene haben mir alle Workshops so viel gegeben. Ob es um Design, Anbau, Marketing oder Netzwerk geht. Immer habe ich ganz viel mitnehmen können. Und natürlich immer einen großen Schub Inspiration und Energie.

Was macht dir am meisten Spaß an deiner Arbeit?

Alles, außer die Buchhaltung… Ich liebe es, mich in die Arbeit fallen lassen zu können. In die Gestaltung mit Blumen die ich teilweise habe heranwachsen sehen. Ich habe ja keine Öffnungszeiten und genieße die stille Zeit im Atelier, wenn ich kreieren kann. Das ist wie Meditation. Und das sind die schönsten ruhigen Momente. Die schönsten energetischen Momente sind die, wenn eine neue Pflanze aus der Erde kommt und ich irgendwann die erste Blüte schneiden kann. Das ist wie Feuerwerk.

Annes privater Blumengarten

Was ist das Wichtigste, dass du bisher auf deinem Weg als Farmerfloristin gelernt hast?

Geduld haben. (Hab’s noch nicht zu Ende gelernt)
Den letzten Frost abwarten
Mit Pflanzen sprechen hilft tatsächlich
No Dig Gardening funktioniert auch super mit Blumen

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der auch Floristin werden möchte?

Das kommt ein bisschen auf die Richtung an. Aber allen, die nachhaltig und wild arbeiten möchten, würde ich empfehlen, möglichst viele floral Designer, die einem gefallen, zu besuchen und über die Schulter zu schauen. Einige brauchen immer wieder mal Helfer, so ist es ein Gewinn für beide. Und dann einfach anfangen. Ich glaube nicht das für diese Art von Floristik eine klassische Ausbildung nötig ist.

Wo siehst du dich in fünf Jahren und was sind deine Wünsche?

Ich möchte zur Gruppe der Menschen gehören, die Aufklärungsarbeit geleistet haben und die Kunden und Kollegen zum Umdenken gebracht haben. Ich möchte dafür bekannt sein, dass es möglich ist, mit regionalen Blumen der Jahreszeit atemberaubende Werkstücke zu zaubern. Und ich wünsche mir ein Netz deutscher Flowerfarmen, die die Floristen, die Endverbraucher, die Bienen und sich selbst glücklich machen. So soll es geschehen.

Dahlie „Café au Lait“

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