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Interviews

Interview mit Bernhard und Meike von „Gabel und Spaten“

Bernhard und Meike lernte ich bei unserem ersten Flower Farmer Treffen kennen. Sie haben nämlich zu diesem Kennenlernen eingeladen und es ganz wunderbar organisiert – Bernhard und Meike ist es also zu verdanken, dass unsere kleine Community sich so gut vernetzt hat und so ein freundschaftlicher, warmer Blumen-Freundeskreis entstanden ist.

Neben ihrer Anbaufläche leben die beiden mit ihrer kleinen Tochter auch auf dem Grundstück der Gärtnerei und haben hier einen kleinen, feinen Laden mit Gärtnerartikeln, Keramik und natürlich ihren wunderschönen Blumen. Frischer gehts nicht! Neben dem Verkauf im Laden gibt es bei ihnen ein Blumen-Abo, sie richten Hochzeiten aus und bieten Workshops an. Also das volle Programm.

Ich freue mich ganz doll, dass die beiden trotz Frühing die Zeit gefunden haben, mir meine Fragen zu beantworten.

Lieber Bernhard, liebe Meike, wie kamt ihr auf die Idee Schnittblumen anzubauen?

Wir sind beide mit Pflanzen aufgewachsen, Meike im Blumenladen ihrer Mutter am Kaiserstuhl, Bernhard in einer Baumschule im Ruhrgebiet. Dort haben wir uns in 2017 selbständig gemacht – allerdings erst, nachdem wir mehrere Jahre ganz andere Dinge gemacht und viel im Ausland gelebt und gearbeitet haben. In all der Zeit haben wir uns immer wieder ausgemalt, wie schön es wäre, täglich mit der Natur, mit Blumen und Pflanzen arbeiten und Geld verdienen zu können. Drei Faktoren haben dazu geführt, dass wir den Schritt dann tatsächlich gegangen sind. Ersten sind wir Eltern geworden und haben dadurch nochmal ganz neu überlegt, was uns im Leben wirklich wichtig ist. Zweitens konnten wir in der Baumschule von Bernhards Eltern Land nutzen und mussten so nicht danach suchen. Drittens haben wir die Dahliensammlung von Bernhards Großvater geerbt, ein wundervolles Startkapital!

Dahlie „Cafe au lait“

Wie groß ist eure Anbaufläche und wie ist das Klima dort?

Unsere reine Anbaufläche sind circa 3000 Quadratmeter. Dort bauen wir sowohl Stauden als auch Einjährige und natürliche unsere Dahlien an. Allerdings haben wir das Glück, dass wir auf dem ganzen Gelände der Baumschule mit tollem, altem Bestand Beiwerk und Zweige schneiden dürfen. Dadurch kommt sogar alles Material für Kränze direkt hierher. Außerdem haben wir ein altes Glashaus, was perfekt ist für die Voranzucht im Frühjahr und für empfindliche Kulturen. Wir befinden uns hier in RHS Zone 5 (USDA Zone 7), das heißt es kann im Winter durchaus empfindlich kalt werden (zu kalt um die Dahlien in der Erde zu lassen). Der richtige Winter mit Dauerfrost beschränkt sich allerdings meist auf eine Woche.

An wen verkauft ihr eure Blumen und wie ist die Nachfrage?

Wir verkaufen unsere Blumen und Floristik zum größten Teil direkt in unserem Laden, der sich hier auf dem Gelände befindet. Die Atmosphäre ist herrlich, wie in einem alten Park, und lockt besonders im Sommer Spaziergänger an. Einen wachsenden Teil machen unsere floralen Abonnements aus, bei dem wir Privat- oder Geschäftskunden regelmäßig mit Sträußen beliefern. Darüber hinaus kreieren wir besonders im Sommer viel floralen Schmuck für Hochzeiten und andere festliche Anlässe. Besonders beliebt sind unsere Workshops, auch weil in diesem Bereich das Angebot hier in der Region sehr dünn ist. Insgesamt hat sich dieser Mix für uns bisher bewährt, denn die Kunden sind oft ganz andere. So erreichen wir mehr Menschen mit unseren Blumen als wenn wir nur einen Kanal nutzen würden. Bei der Nachfrage ist zeitweise noch Luft nach oben. Gerade in der Dahliensaison haben wir mehr Blumen als wir verkaufen. Wir vergessen allerdings gern, dass wir das hier erst seit anderthalb Jahren machen und sich unser Konzept erst rumsprechen muss.

Ein frischer Frühlingsstrauß

Wie waren eure Anfänge und was hat sich seit dem verändert?

Gabel & Spaten ist wie ein Organismus. Wir verändern uns und das Konzept ständig. Durch stetig und eher kleine Veränderungen statt großen Umwälzungen feilen wir an unserem Konzept und machen es so auch tragbarer und realistischer. Zum Beispiel haben wir  relativ bald die Öffnungszeiten am Samstag von 18 Uhr auf 13 Uhr verkürzt. Da wir mittlerweile oft am Montag (eigentlich einmal unser freier Tag) arbeiten, denken wir über weitere Änderungen bei den Öffnungszeiten nach. Außerdem sind wir viel selbstbewusster als am Anfang. Heute kaufen wir nur noch in ganz wenigen Ausnahmefällen Schnittblumen dazu und überzeugen Kunden stattdessen von unseren eigenen, tollen Blumen. Anfangs haben wir auch versucht ein Laden für alle zu sein und unsere Blumen teils zu günstig verkauft. Seither haben wir viele Kunden, deren Referenz-Rahmen Preise aus dem Supermarkt sind, verloren. Dafür aber auch neue gewonnen. Zwar versuchen wir immer noch einer breiten Klientel gerecht zu werden, allerdings wollen wir auch transportieren, dass wir als Farmer und Floristen von unserer Arbeit leben können müssen.

Wie ist es als Paar zusammen zu arbeiten? Und habt ihr klar voneinander getrennte Arbeitsbereiche?

Ich mache die Floristik, Bernhard den Anbau. Das ist unsere Arbeitsteilung und jeder ist in seinem Bereich weitestgehend autark. Anders würde es gar nicht funktionieren. Auch so gibt es noch genug Potential für Diskussionen und Streitpunkte. Denn natürlich beeinflusst der Anbau bei uns ganz stark die Floristik und was zu einer bestimmten Zeit an Blumen verfügbar ist. Im Gesamtkontext ergänzen wir uns super gut und keiner würde Gabel & Spaten allein machen (können und wollen). Aber natürlich hat die Arbeit als Paar auch Ihre Tücken. Man muss aufpassen, dass man auch noch andere Themen als immer nur Blumen hat und Raum schaffen für Familienzeit ohne Firma. Vor allem ist es eine Herausforderung, Streitpunkte aus dem Betrieb nicht auf die persönliche Beziehung abfärben zu lassen.

Was macht euch am meisten Spaß bei eurer Arbeit?

Morgens durch ein Meer von Blumen gehen zu können und nach Herzenslust zu schneiden und daraus wunderschöne Arrangements und Sträuße zu zaubern, dass ist ein irrsinnig großer Luxus. Das überwältigt uns immer wieder. Wir sind jeden Tag von der Schönheit der Natur umgeben. Dieses Naturerleben teilen wir mit unseren Kundinnen und Kunden und allen, die uns hier besuchen, zum Beispiel zu einem floralen Workshop. Zu sehen, wie unsere Blumen Menschen glücklich und zufrieden machen, ist ein Geschenk. Oft kommen sogar Floristinnen und Floristen zu uns und sind ganz beseelt zu sehen, wie wir hier arbeiten dürfen. Viele sind desillusioniert von ihrem eigentlich so schönen Beruf. Gleichzeitig ist es super spannend, Teil einer kleinen aber wachsenden Slowflower Community zu sein. Überall in Deutschland tut sich etwas und Menschen wie wir denken Blumen ganz neu. Saisonaler, nachhaltiger, schöner. Dort dabei zu sein macht uns ein bisschen stolz.

Workshop zum Kranzbinden mit Hortensien

Was ist das Wichtigste, was ihr bisher auf eurem Weg als Blumenbauern gelernt habt?

Gut Ding will Weile haben. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Wir sind beide eher ungeduldige Menschen und haben wenig Verständnis dafür wenn andere Menschen (oder die Natur!) länger brauchen als gedacht. Immer, wenn eine Blüh-Lücke aufkommt und es nicht viel zu schneiden gibt, werden wir ganz wahnsinnig. Das entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie, denn genau diese Wertschätzung für Saisonalität wollen wir ja unseren Kunden näher bringen. Mittlerweile haben wir uns aber an den Rhythmus der Jahreszeiten gewöhnt und finden dabei ständig wunderschönes Material, tolle Bäume und Blumen, die wir sonst übersehen hätten. Zum Beispiel haben wir Rhododendron als Schnittblume für uns entdeckt – ein Traum in der Vase und der perfekt Übergang von den Tulpen in den Sommer.

Herbstlicher Haarkranz

Welchen Rat würdet ihr jemandem geben, der gern BlumenbauerIn werden möchte?

Macht eine Reise. Anders als in 2016, als wir unseren Start geplant haben, gibt es mittlerweile in verschiedenen Ecken Deutschlands tolle Beispiele, wie man sich mit Floristik aus eigenem Anbau selbständig machen kann. Der Grundsatz ist meist gleich, aber es gibt eine Menge verschiedener Ansätze und Schwerpunkte und natürlich eine Menge Wissen, von dem man profitieren kann. Unserer Erfahrung nach sind Farmer-Floristen sehr offene und hilfsbereite Menschen und geben gern ihre Erfahrungen weiter, sei es zu Saatgutquellen, Anbau-Methoden oder Floristik-Tipps. Wir haben durch den Kontakt mit anderen aus der Slowflower Community eine Menge gelernt und freuen uns immer über den Austausch!

Was sind eure Pläne für 2019?

In diesem Jahr probieren wir eine Menge neuer Sorten aus. Bisher haben wir uns auf Bio-Saatgut beschränkt. Dadurch waren wir allerdings in der Auswahl leider sehr limitiert. Nun haben wir auch konventionelles Saatgut bestellt und viele, wunderbare neue Farben und Formen für unsere Floristik. Außerdem bauen wir zum ersten Mal Lilien und Chrysanthemen an. Wir sind gespannt. Daneben  haben wir unser Workshop-Programm ausgebaut. Unsere neue Frühlings-Werkstatt war ein großer Erfolg und im Herbst wird es Workshops zu Heilkräutern und Ikebana geben. Bei allen neuen Projekten versuchen wir trotzdem mehr Zeit für uns und die Familie zu finden und den Laden gerade an langen Wochenenden einfach mal zu zu machen.

Und was sind eure Wünsche?

Wir haben ein wunderbares Hobby zum Beruf gemacht und sind dadurch (meist) dankbar und glücklich. Wenn wir jetzt noch ein paar mehr Menschen für unsere nachhaltige Art der Floristik begeistern und auf Dauer von unserer Arbeit leben können, wäre das ein großes Geschenk. Denn dann können wir mit Gabel & Spaten noch viele Jahre weiter machen und uns zusammen mit der Slowflower Community dafür einsetzten, dass sich die Floristik-Branche in Deutschland wandelt – hin zu einer neuen Wertschätzung für die Natur im Allgemeinen und die Schönheit der Blumen im Speziellen.

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