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Interviews

Interview mit Nicole von „Rox & Rose“

Nicole war für mich die erste deutsche Flowerfarmerin. Nachdem ich 2017 so viel über das Thema „Slowflowers“ auf englischen und amerikanischen Seiten gelesen hatte, hab ich mich riesig gefreut, als ich ihre Seite gefunden hatte – es gibt so etwas ja doch auch hier! Nicole war total beschäftigt und fand doch immer wieder die Zeit, mir auf meine ellenlangen E-Mails mit den vielen Anfängerfragen zu antworten.

Ihr wichtigster Ratschlag damals für mich: unterschätz das alles nicht! Es ist harte Arbeit, jeden Tag, von früh bis spät bei jedem Wetter. Ich war ein bisschen ernüchtert, denn bei den Amis klang alles immer so nach „Yes, just do it, its great, live your dream etc.“. Doch diese Mischung war vielleicht genau richtig. Sich trauen, etwas ganz Neues und Verrücktes auszuprobieren und seiner Leidenschaft zu folgen. Und auf der anderen Seite klein anzufangen und einen Schritt nach dem anderen zu gehen.

Mein Lieblingsrat von Nicole, den ich auch heute noch gerne weitergebe: pflanze das, was du liebst, denn dann umsorgst du es aus vollem Herzen. So pflanze ich tatsächlich einige Blumensorten nicht an, weil sie mir in ihrem Wesen irgendwie nicht entsprechen. Klingt vielleicht komisch, aber ich wusste sofort, was Nicole damit meint.

Ich freue mich riesig, dass sie die Zeit gefunden hat, meine Fragen zu beantworten!

Nicole mit einem Arm voller Blumen

Liebe Nicole, was war für dich der Grund, deine Liebe zu den Blumen zum Beruf zu machen?

Als ich 2006 mit meiner Familie nach Deutschland zurück kam, began ich in Ur-Oma’s Garten zu werkeln. Nach lebenslanger liebe für Pflanzen hatte ich endlich einen eigenen Garten. Es wurde mir sehr schnell klar dass ich einen Weg finden musste diese Zeit im Garten zu meinem Beruf zu machen. Wichtig war mir auch, mich weiterhin um meine Kinder kümmern zu können, also ein selbst-bestimmtes Arbeitsleben zu haben. Blumen gehören zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen (“Die Wurzelkinder” war mein Lieblingsbuch) und begleiten mich schon mein Leben lang. Mit einjährigen Blumen in Kombination mit Stauden und Sträuchern die schon von meinen Urgrosseltern gepflanzt wurden, war es mir möglich mit Sträußen auf den Markt zu gehen, ohne gleich großzügige Flächen zu bewirtschaften. Es hat einfach alles gut gepasst damals.

Wie groß ist deine Anbaufläche und wie ist das Klima dort?

Unsere gesamte Fläche beträgt ein Hektar. Die einjährigen Kulturen leben auf 4000 qm, der Rest ist mit Stauden und Sträuchern bepflanzt. Unsere Winterhärtezone ist 7a.

Wie waren deine Anfänge und was hat sich seitdem verändert?

Meine Anfänge waren klein und bescheiden. Ich nutzte jeden freien Quadrat meter, auch in den ungünstigsten Lagen, und jede freie Minute, besonders früh morgens bevor die Kinder wach waren, um Blumen zu kultivieren. Limitiert durch Zeit und Platz musste ich geduldig sein. Jetzt sieht das schon anders aus – die Kinder sind größer und selbständig und im Moment beklage ich mich nicht über Platzmangel. Auch die Vermarktung hat sich verändert – in den ersten Jahren verkaufte ich die Blumen ausschliesslich auf einem Wochenmarkt, dann kamen bio-Läden dazu.

Ein Blumenfeld mit Rudbeckia und Knorpelmöhre

Du machst den Blumenanbau hauptberuflich – wie schaffst du es, alles unter einen Hut zu bringen und gibt es für dich auch Freizeit?

Wenn die Saison richtig in Schwung kommt, ab März, dann ist wirklich wenig Freizeit vorhanden. Ab April haben wir eine 7-Tage Arbeitswoche. Das geht bis November, wenn die Vermarktung aufhört und die Felder für den Winter bereit gemacht sind. Ich koche jeden Tag, so dass wir als Familie zusammen essen können. Dafür kann es aber vorkommen dass ein Berg ungefaltete Wäsche sich ansammelt, und vieles andere im Haushalt liegen bleibt. Da muss man locker bleiben! Trotz der arbeitsintensiven Saison nehmen wir uns eine Woche in den Sommerferien um mit unseren Kindern etwas zu unternehmen.

Was unterscheidet dein florales Design von anderen?

Ich denke die Blumen machen den Unterschied. Ich gebe mir große Mühe in der Auswahl der Pflanzen die wir anbauen. Ich bin ein großer Freund von interessantem Beiwerk und überraschenden Elementen im Strauß. Das größte Kompliment dass mir eine Kundin gegeben hat war dass sie jeden Tag etwas neues in ihrem Strauss entdeckt und sich so erneut über die Blumen freuen kann. Ich stelle mir einen Strauß wie ein Korallenriff vor, es darf auch etwas Bizarres integriert sein und er muss auf jeden Fall für Überraschung sorgen.

Wer sind deine Kunden und wie hat sich die Nachfrage seit deinen Anfängen verändert?

Vom kleinen Jungen der seiner Mama gerne Blumen kauft bis zur älteren Dame die sich jedes Jahr einen Bund Astern an ihrem Geburtstag bestellt – meine Kunden sind von allen Altersgruppen und Lebenswegen. Die Nachfrage hat sich definitiv gesteigert durch mein regelmäßigen erscheinen auf dem Markt und durch Mundpropaganda.

Eukalyptus liebt die Wärme im Tunnel

2017 hast du mir gesagt, du möchtest irgendwann gerne Workshops anbieten, aber hattest das Gefühl, du seist noch nicht ganz so weit. Was meinst du, kann man bald von dir auf deinem Blumenfeld lernen?

Genau, da hast du dich richtig erinnert. Kurse sind auf jeden Fall für dieses Jahr in der Planung. Ich bin der Überzeugung dass man als Kursleiter fundierte Erfahrungswerte anbieten muss. Seit mehr als zehn Jahren experimentiere ich mit Blumen und bin jetzt im 8. Jahr der Vermarktung meiner Sträuße, so denke ich dass die Zeit jetzt reif ist! Unser wunderschönes altes Gebäude, in dem wir unsere Werkstatt eingerichtet haben, wird langsam renoviert und in Zukunft auch Räumlichkeiten für Kurse bieten.

Was ist das Wichtigste was du auf deinem Weg als Blumenbauerin gelernt hast?

Ich habe auf meinem Weg gelernt dass man akzeptieren muss dass es nie so kommt wie man es geplant hat. Da hilft nur auf die Natur zu vertrauen und flexibel zu bleiben. Wenn eine Kultur nicht so wächst wie sie soll, wird eine andere unerwartet schön gedeihen. Und nächstes Jahr wird es wieder ganz anders.

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der gerne BlumenbauerIn werden möchte?

Ich würde jedem raten ein mehr-wöchiges Praktikum in einem Schnittblumenbetrieb zu machen. Man kann viele Bücher wälzen aber es ist doch was anderes diese Arbeit zu erleben. So kann man besser einschätzen ob man sie als Vollzeit Beruf ausüben will. Wie bei jeder Arbeit gibt es Aspekte die alles andere als romantisch sind, die aber dazu gehören, und darüber sollte man sich vorher ein Bild machen.

Was sind deine Wünsche und wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ich hoffe dass sich zukünftig mehr Menschen für bio-Zierpflanzen interessieren und sich mit dem Thema auseinander setzen. Speziell in der Floristik Branche warte ich darauf dass endlich ein nachhaltiger Weg eingeschlagen wird (angefangen mit einem Steckschaum Verbot!). Dies bedarf natürlich weitere Öffentlichkeitsarbeit, den so eine Veränderung wird meist durch Kundenwünsche gesteuert.

Mich, vielmehr uns, sehe ich in fünf Jahren immer noch hier in Wolfstein, beim bio-Blumenanbau!

Anm.: Alle Bilder von @martamariamroz

1 Comment

  • Reply
    Tanja Knösel
    8. Februar 2020 at 8:56

    Ah Katharina, wie schön und interessant geschrieben und so tolle Bilder. Ich war vielleicht vor 3 Jahren mal bei Nicole zu Besuch. Da war es noch nicht ganz so groß, aber schon auf dem Weg dahin. Ja, es ist ganz unglaublich, dass es diesen Anbau auch in Deutschland gibt.

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