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Interviews

Interview mit Arjen Huese

Als ich 2017 begann alles über Slowflowers zu lesen, was mir in die Hände kam und ich beschloss selbst Blumenbauerin zu werden, entdeckte ich auf Youtube ein Video von einem netten Mann in England, der zeigte, wie er Schnittblumen anbaut und diese schneidet. Ich habe mir das Video mindestens zehnmal angeschaut und war hin und weg von seinem Pfingstrosenfeld und den traumhaften Wicken mit ellenlangen Stielen.

Tja, was soll ich sagen – ich hatte nicht nur das Glück, diesen freundlichen Mann (übrigens Holländer) kennen zu lernen, sondern ihn auch für meinen Blog zu interviewen. Arjen baut seit 14 Jahren Schnittblumen an, erst in England, dann Holland und nun in Deutschland. Seitdem er auch Teil der Facebookgruppe „Slowflower-Bewegung“ ist, hat er mir schon unzählige Tipps gegeben und hatte auf jede meiner Fragen immer eine Antwort – ich glaube, Arjen weiß einfach alles über Blumen!

Arjen mit Dahlien

Und nun darf ich ihn euch hier vorstellen:

Lieber Arjen, wie kamst du auf die Idee, Schnittblumen biologisch anzubauen?

Ende der 90er Jahre hatte ich im Allgäu eine Gärtnerei und versuchte einfach neben dem Gemüse Tulpen und Sommerastern anzubauen. Doch das war kein großer Erfolg: obwohl die Kultur der Pflanzen und der Anbau von Gemüse und Blumen sich recht ähnlich ist, sind Ernte und Absatz doch wesentlich anders. Ich fand es eine schwierige Kombination und habe das dann nicht weiter verfolgt. Erst als ich vor 15 Jahren meine Frau kennengelernt habe, die sich sehr für schöne Sachen interessiert, kamen mir die Schnittblumen wieder in den Kopf und ich habe es einfach nochmal ausprobiert. Die Floristen in Brighton waren begeistert, und so kam alles in Schwung.

Wo ist deine Anbaufläche, wie groß ist sie und wie ist das Klima dort?

Ich pachte ungefähr 2000qm im Chiemgau, bei Bad Endorf auf 500m Höhe. Wie das Klima genau ist, muß ich noch herausfinden! Aber es ist bestimmt rauer als in Südost-England und in den Niederlanden. Es gibt hier viel mehr Schnee und Frost im Winter, während es das in Holland eigentlich kaum noch gibt. In England und in den Niederlanden habe ich oft darauf spekuliert, dass es keinen späten Frost mehr gäbe und z.B. schon früh Zinnien, Dahlien und Sonnenblumen ausgepflanzt und mit zwei Schichten Vlies abgedeckt. Das werde ich jetzt erst mal nicht machen in Oberbayern.

Wie waren deine Anfänge und was hat sich seitdem verändert?

Ich habe sooo wenig gewusst! Ich habe noch nicht mal die Arten gekannt – da habe ich mir ein Bilderbuch mit Fotos zusammengebastelt, um die Namen der Schnittblumen zu lernen. Auch vom Anbau und Sortenauswahl hatte ich keine Ahnung! Ich bin dann aber Mitglied der ASCFG (Association of Specialty Cut Flower Growers) in den USA geworden und habe durch ihre Zeitschrift und deren Facebookgruppe wahnsinnig viel gelernt. Aber auch vom einfach ausprobieren und von den Kontakten mit Floristen und einem netten Großhändler in England. Wenn ich daran zurückdenke mit was für Blumen ich zum Großhändler gefahren bin und wie sie trotzdem nett mit mir umgegangen sind, da staune ich jetzt noch! Mittlerweile weiß ich besser wie man die Blumen schneidet, kenne das richtige Erntestadium, wie man sie verpackt, usw.

Arjens Blumenfeld

Du machst den Blumenanbau hauptberuflich – wie schaffst du es, alles unter einen Hut zu bringen und gibt es für dich auch Freizeit?

Im Moment verbringe ich neben dem Anbau auch viel Zeit mit den Kindern die ja im Moment Coronakrise-bedingt zu Hause sind. Im Moment machen wir morgens Heimschule und meistens fahre ich gegen Mittag zur Gärtnerei. Meistens ist mein dreijähriger Sohn Florian dabei, er genießt es sehr in der Gärtnerei zu sein. Manchmal helfen auch die anderen Kinder (Livia – 16, und Kaylin – 10) mit, sie können gut jäten. Ansonsten bin ich gut mit Maschinen und Geräten ausgestattet: eine Dieselfräse für die Bodenbearbeitung und eine Agria 2100 Unkrautfräse (ein sogenanntes Kräutermoped) um zwisschen den Reihen Unkraut zu hacken. Und ich bin ziemlich schnell mit der Handhacke (Schuffel). Das andere ist, dass es wichtig ist möglichst viel zu standardisieren: alle Beete sind gleich breit und gleich lang, immer der gleiche Reienabstand, usw. Da spart man sich viel Arbeit und Frust.

In meiner Freizeit lese ich gerne oder ich gehe wandern. Mir ist es auch wichtig mich immer wieder in die Anthroposophie zu vertiefen und ein Teil der Demeterbewegung zu sein. Ich gehe gerne zur jährlichen landwirtschaftlichen Tagung am Goetheanum in Dornach (Hauptquartier der Anthroposophischen Gesellschaft), um mich mit anderen Demeterkollegen zu treffen und auszutauschen.

Was macht dir am meisten Spaß an deiner Arbeit?

Die Anzucht macht mir immer sehr viel Spaß: das Gefühl der Erwartung, Vorfreude, Spannung ob es keimt oder wurzelt… Und auch das Züchten von neue Sorten macht mir sehr viel Spaß: in Geum, Delphinium und Allium habe ich mittlerweile eigene Auslesen und da freue ich mich riesig, wenn was Schönes rauskommt!

Auch freue ich mich immer sehr, wenn Menschen mit einem Riesenlächeln aus dem Garten kommen, Hände voll mit Blumen und total glücklich nach Hause radeln.

Die Dahlienfelder

Was ist das Wichtigste, was du bisher auf deinem Weg als Blumenbauer gelernt hast?

1- Wähle die richtigen Farben
2- Stiellänge ist wichtig
3- Wildblumen sind was anderes als gezüchtete Schnittblumen, vor allem in Sachen Haltbarkeit
4- Keine Angst haben, selber Sträuße zu binden
5- Beim Selberpflücken verkaufe ich keine Blumen sondern ein Gefühl, ein Erlebnis
6- Keine Angst haben einen guten Preis zu verlangen (finde ich immer noch schwer)
7- PINZIEREN! Es fühlt sich intuitiv falsch an, diesen armen jungen Pflanzen den Kopf auszubrechen, aber oh – wieviel besser werden die Stiele und die Blumen! Es hat Jahre gedauert bevor ich das kapiert habe.

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der gerne BlumenbauerIn werden möchte?

Einfach loslegen – das wird schon klappen!

Was sind deine Wünsche und wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ich würde gerne in der Gärtnerei wohnen, im Moment fahre ich jeden Tag zweimal 45 Minuten zur Gärtnerei und das möchte ich nicht viel länger machen. Wenn nicht in der Gärtnerei, dann doch wenigstens viel näher.

Ich hoffe in fünf Jahren eine stabile und erfolgreiche Schnittblumengärtnerei zu betreiben, mit vielen dankbaren Kunden. Auch hoffe ich, dass meine Gärtnerei und meine Vorangehensweise viele andere Menschen inspiriert hat auch bio/Demeter-Schnittblumen anzubauen. Ich gebe regelmäßig Kurse in nachhaltigem Schnittblumenanbau und einige meiner Schnittstaudensorten sind weitverbreitet und werden vielerorts geschätzt.

In der Demeterbewegung sieht man in fünf Jahren auch ein, dass Demeter Schnittblumen eine wichtige Komponente des Gesamtkonzeptes sind – wir ernähren uns ja nicht vom Brot allein, sondern auch von der Schönheit mit der wir uns umgeben. Das ist Ernährung für den Geist. Ein schöner Strauss Demeter Schnittblumen erzeugt in uns ein bestimmtes Gefühl, eine Sehnsucht nach dem Guten. Ich bin davon überzeugt, dass wenn man Gefängnisse mit Blumen schmücken würde, die Rückfallquoten drastisch absteigen würden… Also, vielleicht wäre da sogar noch etwas zum erproben!

2 Comments

  • Reply
    Blumer
    15. Juli 2020 at 9:13

    Sehr schön Tipps!
    Interessant finde ich das auch mitlerweile BIO Schnittblumen gezüchtet werden 🙂 Das ist der richtige Weg!

    Liebe Grüße
    Blumer

    • Reply
      Katharina
      18. Juli 2020 at 10:20

      Ja, da hast du recht und ich hoffe, es wird noch viel viel mehr 🙂
      Viele Grüße,
      Katharina

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