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Verschiedenes

Geduld und Gelassenheit – was wir von der Natur lernen können

Es ist selbstverständlich in einen Blumenladen zu gehen und zu jeder Jahreszeit eigentlich alles kaufen zu können: Tulpen im Januar, Löwenmäulchen im Februar und Zinnien, Rosen oder Lisianthus jederzeit. In fernen Ländern wie Kenia oder Kolumbien werden in Monokulutur rund ums Jahr immerzu die gleichen Sorten angebaut, Tag ein, Tag aus, ob Juli oder November.

Dadurch ist das Angebot auf dem Großmarkt für die Einkäufer wie Blumenhändler, Restaurants, Hoteliere oder Wedding- und Eventplaner zu jeder Zeit sehr breit und vielfältig und nicht nur der Kunde verliert so das Gefühl für die Natur und Jahreszeiten.

Tulpen im Dezember auf dem Großmarkt

Es ist wie in allen Bereichen des Konsums: schnell, alles immer kaufen können. Breite Auswahl, volle Kontrolle, jeder Wunsch kann mit dem entsprechenden Budget realisiert werden: Eine Braut möchte weiße Nelken für ihre Winterhochzeit im Dezember – gar kein Problem! Doch ist es nicht schön, sich gedulden zu müssen, auf Dinge zu warten und sich zu freuen, wenn es sie gibt? Die ersten Erdbeeren Ende im Juni, Spargel im Mai und Grünkohl im Winter werden zelebriert und genossen.

„Eine Braut möchte weiße Nelken für ihre Winterhochzeit im Dezember – gar kein Problem!“

Manchmal beneide ich die Einkäufer auf dem Großmarkt aber auch: sie können je nach Budget aus hunderten von Sorten auswählen und haben auch im Januar ein breites, buntes Angebot in ihren Blumenläden. Ich hingegen habe im Januar nicht eine einzige Blume! Der Garten ist kalt, dunkel und karg, die Erde schlammig oder gefroren. Diese Jahr ist der Februar besonders gnadenlos: Dauerfrost seit fünf Wochen, Nachttemperaturen um -10 Grad, die Erde ist wie Beton, nichts bewegt sich, alles ist erstarrt. Tulpen und Narzissen ragen Anfang März gerade mal mit einem Zentimeter aus der Erde. Denn sie wissen, was man in solchen Situationen tut: entspannen und abwarten.

„Ich hingegen habe im Januar nicht eine einzige Blume! Der Garten ist kalt, dunkel und karg, die Erde schlammig oder gefroren.“

Ich sehne mich immer nach dem Frühling und bin voller Vorfreude, wenn ich mit der Anzucht beginne und komme langsam in die Bedrouille: meine Löwenmäulchen, die bereits sieben Wochen alt sind, werden zu groß – eigentlich wollte ich sie vor zwei Wochen bereits auspflanzen. Doch keine Chance – die Erde ist betonhart. Nun habe ich sie einfach bereits pinziert und lasse sie draußen, im minimal beheizten Gewächshaus, so passen sie sich an und wachsen kaum noch.

Der Garten im Winter – hier blüht gar nichts!

Ich übe mich in Geduld. Vielleicht sogar in Demut. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als Kontrolle abzugeben und die Natur mit ihrem eigenen Rhythmus zu akzeptieren, wie sie nun mal ist: unvorhersehbar, spontan, gnadenlos und wunderbar. Also nehme ich die Eiseskälte Anfang März an und freue mich über den Schnee und den vielen Sonnenschein.

„Es bleibt mir nichts anderes übrig, als Kontrolle abzugeben und die Natur mit ihrem eigenen Rhythmus zu akzeptieren, wie sie nun mal ist: unvorhersehbar, spontan, gnadenlos und wunderbar.“

Doch ist es nicht auch ein Geschenk, alles so zu nehmen, wie es eben kommt? Ich habe einfach keine Wahl, also muss ich mich auch nicht entscheiden, kann nicht aus hunderten Möglichkeiten wählen. Ich nehme das, was kommt – so gelassen, wie möglich. Wenn eine Braut sich für ihre Hochzeit im August Pfingstrosen wünscht, sage ich ihr, dass das leider nicht geht. Da müsse sie im Mai heiraten. Allerdings gibt es wunderschönen pfingstrosenartigen Mohn oder auch Sommerastern, die eine ähnliche Form haben und im August blühen.

„Ich möchte niemanden bekehren oder überzeugen. Ich möchte nur auf den Rhythmus der Natur aufmerksam machen und zeigen, dass jede Jahreszeit ihren Reiz hat und anders ist.“

 

Bisher ist es noch ruhig hier...

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