//header war ursprünglich hier
Verschiedenes

Der Wert einer Blume

Was ist der Wert meiner Blumen? Das ist eine wirklich schwierige Frage. Ich könnte sie einfach lösen und meine Preise den Preisen der Blumenläden und Verkäufer auf dem Markt anpassen. In den meisten Fällen wird dort der Preis vom Einkauf (Großmarkt) mal drei genommen.

„In den meisten Fällen wird der Preis vom Einkauf (Großmarkt) mal drei genommen.“

Wenn also eine Ranunkel auf dem Großmarkt im 50er Bund 28 Cent kostet, kostet sie im Blumenladen 1 Euro. Lisianthus, die auf dem Großmarkt 85 Cent kosten werden dementsprechend für 2,20 Euro weiter verkauft. Im Blumenladen kann man dann leicht schauen, wie viel möchte ich ausgeben und sich einen Strauß zusammenstellen lassen.

Eine Tulpe kostet hier auf dem Großmarkt 45 Cent

Das ist also eine Möglichkeit der Preispolitik: sich dem Markt anpassen. Doch die andere Möglichkeit wäre es, tatsächlich auszurechnen, welchen finanziellen Wert eine Blume bei mir hat.

„Wie hoch ist der Lohn für meine Arbeitszeit?“

Vom Saatkauf über die Anzucht, das Auspflanzen und die Pflege im Beet, der Preis von Kompost und Hornspänen, Wasser bis hin zum Schnitt, Transport, dem Binden und dem Verkauf. Wie viel Zeit investiere ich in eine Blume? Wie hoch ist der Lohn für meine Arbeitszeit? Und was kosten Samen, Anzuchterde, Kompost, Hornspäne und Wasser?

Durch Regionalität und „bio“ fallen bei mir viele Kosten weg, die eine importierte Blume in sich trägt: diverse Arbeiter und Zwischenhändler, der lange Transport mit durchgehender Kühlkette per Schiff oder Flugzeug, dann weiter mit LKWs, Verpackungskosten und nicht zu vergessen die 20% Verlust, die in den Preis mit einkalkuliert werden, da am Ende der Kette oft Einviertel der Ware die Lieferkette nicht übersteht.

Was kostet meine Zeit?

Doch dafür wirtschafte ich viel unökonomischer, schenke den Blumen so viel Zeit und Aufmerksamkeit, es gibt keine automatisierten Prozesse und durch die viele Handarbeit ist mein Hauptposten: meine Arbeitszeit. Die vielen, unzähligen Stunden von der Planung im Spätherbst, über Anzucht ab Januar und den vollen Saisonstart im März. Tage von früh bis spät.

„Doch dafür wirtschafte ich viel unökonomischer, schenke den Blumen so viel Zeit und Aufmerksamkeit, es gibt keine automatisierten Prozesse und durch die viele Handarbeit ist mein Hauptposten: meine Arbeitszeit.“

Ich merke, ich kann das nicht ausrechnen. Ich werde in diesem meinem ersten Jahr meine Preise an den Markt anpassen und dabei die Hochwertigkeit, Regionalität, den Verzicht auf Chemie und liebevolle Handarbeit mit einbeziehen. Dank der jahrelangen „Slowfood“ Bewegung sind viele Menschen dazu bereit, für gutes, regionales Bioessen mehr Geld auszugeben, als beim Discounter. Ich setze darauf, dass sich das auf meine „Slowflowers“ überträgt. Meine Preise sollen fair sein: fair der Blume, mir und den Kunden gegenüber. Ich werde versuchen ein Gleichgewicht zu finden, das allen gerecht wird.

Die Reaktionen auf dem Markt sind sehr unterschiedlich. Der Großteil der Kunden zahlt gerne den Preis, den ich an die teureren Blumenstände auf dem Amrkt angepasst habe. Doch es gibt auch immer wieder Leute, die sich wundern und meine Blumen zu teuer finden: „Die sind doch nur aus dem Garten, dafür können sie doch nicht so viel Geld nehmen“. Ich bin teilweise schockiert und entmutigt.

„Meine Preise sollen fair sein: fair der Blume, mir und den Kunden gegenüber. Ich werde versuchen ein Gleichgewicht zu finden, das allen gerecht wird.“

Doch ich lasse mich nicht beirren, es ist wie in allen Bereichen: gute Handarbeit, Liebe und Zeit kosten. Sei es bei Lebensmitteln oder Handwerk und so eben auch bei Blumen. Kunden die privat bei mir bestellen, über Hörensagen zu mir kommen, über Instagram oder einen Artikel, finden meine Preise hingegen abslout gerechtfertigt oder wundern sich teilweise sogar, dass die Arrangements nicht teurer sind.

Es geht und ging mir nie darum mit meinen Blumen Geld zu verdienen. Doch hat ein angemessener Preis etwas mit Respekt vor meiner Arbeit und dem Wert der Blumen zu tun. Wenn an einem Markttag mittags noch ein oder zwei Sträuße übrig waren, wäre ich nie mit dem Preis runtergegangen. Ich habe sie dann an die Verkäufer der Nachbarstände verschenkt, die es mit ihren Waren genauso machten und so kam ich an einigen Tagen mit einem Korb voll Biobrot, Gemüse und Obst nach Hause.

„Es geht und ging mir nie darum mit meinen Blumen Geld zu verdienen. Doch hat ein angemessener Preis etwas mit Respekt vor meiner Arbeit und dem Wert der Blumen zu tun.“

Bisher ist es noch ruhig hier...

    Antworten...

    5 × 3 =

    Das könnte dir auch gefallen...